Jochen kowalski


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Opernwerkstatt

aus dem Veranstaltungsprogramm der "Freunde der Wiener Staatsoper"

 

Anlässlich eines Wien-Gastspiels der Berliner Komischen Oper mit „Orpheus und Eurydike“ war Jochen Kowalski Gast bei den Opernfreunden. Volkmar Parschalk sprach mit dem Sänger am 23. April 1989 im Wiener Raimundtheater. 

 

Musikeinspielung  CHE PURO CIEL (aus „Orpheus und Eurydike“ von Ch. W. Gluck) 

P: Meine Damen und Herren, wir haben ein Gastspiel der Komischen Oper in Wien und die Komische Oper aus Ostberlin bringt uns die Oper „Orpheus und Eurydike“ in einer faszinierenden Aufführung, die wir eigentlich im Repertoire der Wiener Opernhäuser haben sollten.
Dass diese Aufführung so ungewöhnlich ist, das ist allen Mitwirkenden, dem Regisseur Harry Kupfer und nicht zuletzt Jochen Kowalski zu danken. Denn er bietet diesen Orpheus in der Original-Stimmlage, also mit einer Altstimme und ist doch ein Mann, was wir in den letzten Jahrhunderten fast nicht mehr gehabt haben. Wir haben höchstens einen männlichen Interpreten gehabt, wenn ein Tenor oder ein Bariton diese Partie gesungen hat.

Herr Kowalski, diese Aufnahme, die wir gerade gehört haben, ist eine Schallplattenaufnahme, die im Sommer erst erscheinen soll und die in italienischer Sprache produziert wird. Warum?

K: Ja. Wir haben sie im letzten Jahr in Berlin aufgenommen und diese Gesamtaufnahme wurde natürlich in italienischer Sprache produziert, weil es die Originalsprache ist und weil das einfach international so üblich ist und eigentlich viel schöner ist, als jeder deutsche Text. Finde ich.  

P: Der „Orpheus“ ist für Sie, nehme ich an, in Ihrer Karriere eine der größten Herausforderungen gewesen. Haben Sie ihn schon einmal gesungen vor dieser Inszenierung? 

K: Ich habe den „Orpheus“, also die Arie „Ach ich habe sie verloren...“ , von Beginn meiner Laufbahn als Countertenor oder Altist – wie man will – gesungen, aber ich hatte ganz große Angst, die Partie mal auf der Bühne darzustellen, weil es ist für dieses Fach, glaube ich, eine der schwersten Partien oder überhaupt die schwerste. Und dann noch in dieser Inszenierung!
Es ist jedes Mal, wenn eine Aufführung am Abend stattfindet, für mich eine unheimliche Herausforderung und ich bin eigentlich immer krank davor. Kann ich ruhig sagen, weil ich nie weiß, wie es enden wird.   

P: Sie haben erzählt, Sie haben sich, bevor Sie diese Partie gesungen haben, alle Aufnahmen angehört, vor allem mit Kathleen Ferrier. 

K: Ja, mit Kathleen Ferrier. Und dann habe ich – in Wien gibt´ s ja so schöne Schallplattenläden – da habe ich mir bei „Caruso“ und wie die Geschäfte alle heißen, sämtliche Aufnahmen erst mal rausgesucht, die für mich in Frage kommen. Es kam ja nur die Wiener Fassung in Frage und es gibt leider sehr wenige Gesamtaufnahmen in dieser Original Wiener Uraufführungs-Fassung. Es gibt immer so eine Mischfassung, die französische Fassung und die Wiener Fassung und da musste man schon ein bisschen suchen. Aber ich habe dann Margarete Klose gefunden, die Ferrier und Agnes Baltsa und da habe ich doch schon ganz schön was lernen können, von diesen großen Darstellerinnen, in dem Fall.  

P: Ist es stimmlich für Sie anders, wenn Sie es singen oder singen Sie es in der Version, in den Noten ganz genau gleich wie diese Altistinnen? 

K: Also, die Noten sind ja die gleichen!  Aber ich sing´ s natürlich anders. Ich hab nicht diese große Stimme wie Agnes Baltsa, zum Beispiel, auch nicht dieses Pathos von Margarete Klose und ich hab auch nicht diese unheimliche... wie soll ich´s denn sagen? – diese Schönheit ... für mich die schönste Stimme ist Kathleen Ferrier.
Ich muss das mit meinen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, bestmöglich machen. Versuch ich jedenfalls.

P: Herr Kowalski, es schwirren durch Wien die verschiedensten Deutungen dieser Aufführung ...

K: Ach so?
Also, fragen Sie mich jetzt bitte nicht nach ´ner Deutung, ja!  

P: Es würde mich doch interessieren, wie sehen SIE diesen „Orpheus“?

K: Positiv!
Ich muss erst mal dazu sagen, dass ich vollkommen dahinter stehe, sonst könnte ich diese – ich muss manchmal schon sagen, Tortur – am Abend nicht durchstehen.  

P: Die Tortur, vor allem aus den vielen Bewegungen heraus? 

K: Ja, aber es ist ... ich kann´ s mir gar nicht anders vorstellen.
Die Komische Oper – ich greif jetzt mal ein bisschen zurück – plante den „Orpheus“ zu machen und ich habe mich natürlich jahrelang, doch drei Jahre, auf die Partie vorbereitet. Also: gehört, mal probiert, stimmtechnisch und so und hab natürlich auch meine Vorstellung davon gehabt.
Und jetzt kommt die erste Einführung mit Harry Kupfer im Chorsaal und ich sah das Bühnenbild und er erzählte da was von einem Rocksänger mit Gitarre und alle solche Sachen und da hatte ich´ s natürlich mit der Angst zu tun bekommen. Sag ich ganz ehrlich.
Weil ich dachte, das kann einfach nicht zusammen passen. Und dann fingen die Proben an und ich merkte: Das passt eigentlich sehr gut zusammen! Und ich habe mich da vollkommen damit identifiziert und fühle mich eigentlich unheimlich wohl.
Ich kann mir nicht vorstellen, jetzt mit Riemchensandalen, so ein schönes griechisches Kleid an, mit Stirnband und mit Leier. Das hat Margarete Klose zu ihrer Zeit hervorragend gemacht, aber es geht heute nicht mehr. Und 1990 oder 1995 wird´ s sicher wieder anders sein und im Jahre 2000 auch wieder. Und das ist eigentlich das Gute an der ganzen Sache, dass es immer weiter geht. 

P: Übrigens, haben Sie Zarah Leander gesehen? Die hat auch in einem Film ....

K: ...in „Heimat“! Ja, ja, das ist auch sehr kurios!

P: Herr Kowalski, also, ein junger Rocksänger verliert seine Frau bei einem Verkehrsunfall und kommt in die Psychiatrische Klinik. Ist das so der Ausgangspunkt dieser Inszenierung?

K: Kann man sagen, ja. Er will das Geschehene nicht wahrhaben und er kämpft dagegen an, aber es ist nun mal so, man kann nicht dagegen ankämpfen.

P: Und die Unterwelt ist, sozusagen, ein Kampf mit dem eigenen Unterbewusstsein?

K: So ungefähr, ja. Es ist halb Traum, halb Vision...

Ich weiß auch gar nicht, wenn ich diese Partie auf der Bühne singe und spiele, was um mich vorgeht. Also, ich sehe ja diese Spiegelsachen nicht. Ich hab das bloß einmal bewusst gesehen bei einer Beleuchtungsprobe und das hat mich so verwirrt, dass ich gedacht habe: Ich guck da gar nicht mehr hin, das macht mich alles nur noch nervöser!

P: Und der Schluss soll sagen, dass Trost die Kunst bietet oder vielleicht nicht bietet ? Wie sehen sie das?
Also, es endet im Konzertsaal, die drei Sänger sitzen auf Stühlen und singen ihre Partie im Konzertsaal zu Ende. Heißt das, die Kunst bietet Trost über alles oder kann keinen Trost bieten?

K: Doch! Ich finde doch. Die Kunst ... Oder finden sie nicht?  (Applaus)
Gott sei Dank, dass wir die Musik haben, muss ich immer wieder sagen!  

P: Vielleicht hören wir uns noch die berühmte Orpheus-Arie an, auch von dieser Aufnahme, die erst im Sommer erscheinen wird.

K: Aber da muss ich noch sagen, dass die Plattenfirma der DDR ganz lieb war zu mir. Ich hab gesagt, dass heute eine Veranstaltung mit Ihnen ist und ob sie nicht mal schnell was zusammenschneiden können aus den Bändern und das haben die gemacht. Find´ ich eigentlich toll! Deswegen können wir´ s heute hören, es ist eigentlich noch gar nicht frei gegeben.

P: Während dieser Arie, Herr Kowalski, sieht man im Zuschauerraum verschiedene Rock-Idole projiziert ...

K: Ich weiß nicht, was hinter mir passiert.

P: Sie wissen es nicht, aber man sieht verschiedene Rock-Idole...

K: Das bin alles ich, die Fotos.

P: Harry Kupfer will damit symbolisieren, dass das „Ach, ich habe sie verloren...“, wie es früher geheißen hat. Jetzt singen sie ja ...

K: ... „Wohin ohne Eurydike...“. Diese Übersetzung ist dem Original sehr, sehr nahe.

Musikeinspielung  CHE FARO (aus „Orpheus und Eurydike“ von Ch. W. Gluck)

P: Herr Kowalski, wenn wir von vorne beginnen, Ihre Karriere hat so etwas von einem Märchentraum an sich: Sie sind als Sohn eines Fleischers in Wachow, in der Nähe von Berlin geboren...

K: Ja.

P:  ... und Sie haben als junger Mensch die Musik ungeheuer geliebt, sind hinter dem Rücken ihrer Eltern – Sie haben gesagt, Sie fahren zu Partys – mit dem Motorrad immer nach Berlin in die Staatsoper gefahren.

K: Ja. - Ich hab so richtig meinen Eltern die Taschen vollgehauen. Meine Mutter hat nachts im Bett gestanden vor Angst, weil ich ja immer erst um zwei, drei Uhr wieder zu Hause war. Und ich hab gesagt: Na ja, hat ein bisschen länger gedauert. - Aber die Wagner-Opern, für die ich mich damals interessiert habe, die waren ja unheimlich lang. Auch in Berlin.
Also, ich fang mal ganz kurz an:
Das ist ein Dorf in der Mark Brandenburg, eigentlich für mich meine Heimat, wunderschön, und wenn ich mal so richtig von allem genug habe, fahre ich da raus und kann so alles fallen lassen. Die haben da auch ganz andere Probleme als ich, da geht´ s um ganz andere Sachen und da werde ich dann verwöhnt von meinem Bruder, der jetzt unseren Fleischerladen noch weiter führt.... 

P: ...und dessen Würste Sie besonders gerne essen?

K: Besonders gerne, ja. Der macht mir auch mal Extrasachen, schöne...
Na ja, zu meinem 14. Lebensjahr bekam ich von meinen Eltern so ein altes Grammophon und da fing das Unheil an.
Da waren Platten dabei von Richard Tauber, von Franz Völker, von Max Lorenz und das hab ich Tag und Nacht abgedudelt und sang da immer wie wahnsinnig mit. Also, „Siegfried“ und...   Ja wirklich!
„Walküre“ - „Winterstürme wichen dem Wonnemond“, das war damals mein Lieblingslied. Das muss auch sehr schön geklungen haben! Vor allen Dingen „Lohengrin“ ... Franz Völker, der ist für mich bis jetzt unerreicht, alles was ich da so höre heute. Und, na ja , der Wunsch ... 

P: Da wollten Sie eigentlich Heldentenor  werden?

K: Ja. - Möchte ich am liebsten jetzt noch sein! Aber was soll man mit so ´nem bisschen Stimme? Reicht leider nicht aus.  

P: Wie viel Kilometer ist Wachow von Berlin entfernt?

K: Ungefähr 80. Also von Haus zu Haus – ich hab das genau mal ausgecheckt – von meinem Elternhaus bis zur Berliner Staatsoper genau 80 km.
Und da bin ich mit dem Motorrad hingefahren und das erste Mal war „Lohengrin“. Der Lohengrin war damals Martin Ritzmann. Ich weiß nicht, ob er in Wien ein Begriff ist, er müsste eigentlich einer sein. Er war einer der besten Sänger Deutschlands, kann man sagen, der aber in erster Linie für das Ensemble der Berliner Staatsoper da war, was es heute leider auch gar nicht mehr gibt.

P: Auch in der DDR nicht? 

K: Leider nicht mehr so, wie´s eigentlich mal war. Das ist, glaube ich, der Zahn der Zeit. Und der Martin Ritzmann stand manchmal vier Mal in der Woche ... er war so etwas wie Helge Rosvaenge, wissen sie. Vier mal, ... also einmal „Rigoletto“-Herzog, dann „Tosca“, dann „Bajazzo“, „Lohengrin“ und „Meistersinger“. Alles in einer Woche und alles hervorragend!

P: Und da sind Sie immer dabei gewesen?

K: Da war ich immer dabei.

P: Nebenbei haben Sie Ihr Abitur gemacht.

K: Nebenbei habe ich mein Abitur gemacht, so mit ein bisschen Schummeln, weil ich in Mathematik eine absolute Null war. Mit Hilfe meiner Kommilitonen, vor mir und hinter mir bei der Arbeit, hat´ s dann grade so gereicht.

P: Und ist dann gleich der Plan gekommen: Jetzt werde ich Sänger? Oder wie ist das gewesen?

K: Der Plan ist gekommen, wie gesagt, als ich Martin Ritzmann in „Lohengrin“ hörte.
Er stand da – ich muss das immer wieder sagen, ich hab´s schon so oft gesagt, meine Berliner Bekannten werden jetzt lachen – aber er stand da in einer silbernen Rüstung, hatte ein silbernes Schwert in der Hand, ein silbernes Horn, silberne Haare... hinter ihm der Schwan und ... also, ich kann´ s  überhaupt nicht beschreiben ..... Da war aus!!!
Dieser blaue Horizont ... er stand da und sang „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan“. Also, das war für mich.... ich hab dieses Bild immer noch vor mir und da hab ich mir gesagt: Einmal DA stehen...!  – So.
Und ich schlich immer um die Staatsoper herum und da war so ein Schild: „Wir stellen ein: Bühnentechniker, Requisite, Kostüme...“ und alles Mögliche. Denk ich: Na ja, versuch´s mal!
Dann bin ich da hin gegangen und hab gesagt, ich möchte gerne hier arbeiten. Nach dem Abitur war das, bis zu meiner Armeezeit. - Ja, sie können anfangen als Requisiteur. Da hab ich dann das gemacht. 

P: In der Staatsoper?

K: In der Berliner Staatsoper.
Und dann war auch eine Vorstellung „Lohengrin“ und da brach dann alles zusammen: Da sah ich, wie schmutzig dieser blaue Rundhorizont war, alles voll Staub. Dieser Schwan war schon tausendmal aus Pappmachee zusammengeflickt.... Da war dann erst mal aus, ist ganz klar! Da hab ich das auch mit ganz anderen Augen gesehen und das war gut so!
Ich bin fünf Jahre an der Berliner Staatsoper hängen geblieben. Das war eigentlich meine Lehrzeit. Ich konnte da Theo Adam hören, Hermann Prey hat gastiert, Schreier, Anheiser, Casapietra, also die großen Namen alle. 

P: Und das haben Sie alles miterlebt. Wann haben Sie dann den Entschluss gefasst, auf die Musikhochschule zu gehen?

K: Eigentlich schon mit meinem 18. Lebensjahr.
Da bin ich an die Berliner Musikhochschule gegangen, hab mir mal die Aufnahmebedingungen geholt und hab festgestellt, dass ich das alles gar nicht kann: Also, ich konnte nicht Klavier spielen, konnte keine Note, konnte eigentlich nichts....
Dachte ich: Also irgendwie muss es ja nun vorwärts gehen! Ich wusste ja auch gar nicht, dass man Singen LERNEN muss. Ich dachte immer, man stellt sich hin und singt.
Das habe ich dann auch gemacht. Ich habe mir die Noten untern Arm genommen, „Walküre“, „Lohengrin“ und „Siegfried“ und da haben die gesagt in der Kommission: Was singen sie denn vor, Herr Kowalski? Ich sagte: Ich möchte bitte aus der Brautgemach-Szene aus „Lohengrin“ vorsingen „Atmest du nicht mit mir die süßen Düfte....“
Die saßen so da, so.... weiß ich noch wie heute! Und ich stand da, so, und der Korrepetitor spielte das Vorspiel und sagte: Na, wenn sie irgendwie Lust haben, setzen sie mal ein!
Ich war dann Lohengrin, hundert Prozent, dachte ich.... -  Na ja, und nach 14 Tagen kam dann die Ablehnung. Da war ich erst mal ziemlich niedergeschlagen, sag ich ganz ehrlich, weil ich so von mir überzeugt war. Und dann denk ich: Nee, jetzt musst du ja doch das irgendwie ernsthaft mal machen!
Und in der DDR gibt´ s ein ganz tolles Netz von Volksmusikschulen, wo jeder unentgeltlich ein Instrument lernen kann, singen lernen kann, also erst mal auf dieser kleinen Ebene.

P: Das haben Sie dann gemacht?

K: Da bin ich in diese Volksmusikschule „Prenzlauer Berg“ in Berlin gegangen, auch wieder mit Noten und da sagte diese Gesangspädagogin: „Sagen sie mal, können sie ein Volkslied?“ Ich sag: Nö! Aber ich kann ihnen jetzt hier „Ein Schwert verhieß mir der Vater“ vorsingen. – Das fand sie gar nicht so witzig. Wir sind dann bei „Der Mond ist aufgegangen“ gelandet und da hörte sie einige ganz gute Töne dabei. Da sagte sie: Also, ich mach´ s mit dir, du brauchst aber Geduld!
Dann hat sie mich so über einen gewissen Zeitraum vorbereitet, auch noch mal auf eine Aufnahmeprüfung.
Da sang ich dann aus „Bastien und Bastienne“ von Mozart eine Arie vor und dann hat man mich aufgenommen. Aber auch nur, weil das Soll erfüllt werden musste an Männerstimmen. Glaub ich... also, sagte man mir später.

P: In der Komischen Oper?

K: Nein, in der Musikhochschule. Weil die DDR sehr viele Chorsänger braucht für die vielen Theater. Na ja, dann kam ich zu Herrn Kammersänger Heinz Reeh – das ist ein Bass – und der mühte sich mit mir ab, im Tenorfach.

P: Und da gibt´ s eine Aufnahme ...

K: ...da gibt´ s eine ganz kuriose Aufnahme...

P: ...mit Ihnen als Pedrillo.

K: ...mit mir als Pedrillo und die ist entstanden anlässlich einer Fernsehsendung im DDR-Fernsehen. Die Sendung heißt „Sprungbrett“, wo junge Nachwuchskünstler einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden und dann hat das Publikum die Möglichkeit auszuwählen: Den und den Künstler wollen wir noch mal hören und... so werden manchmal Wege geebnet.
In dieser Sendung – das war meine erste Fernsehsendung überhaupt – da sang ich die Arie „Ach, ich habe sie verloren...“ und dieses Duett „Vivat Bacchus, Bacchus lebe...“ als Pedrillo.

P: Und das „Ach, ich habe sie verloren...“ als Tenor?

K: Nein, als Altstimme schon. Das war 1982, noch in meinem letzten Studienjahr.

P: Also, jetzt hören wir uns das Duett an!

K: Bitte, nicht böse sein!

Musikeinspielung:  Duett VIVAT BACCHUS (aus „Entführung aus dem Serail“ von W.A. Mozart)

 (Applaus)

K: Bitte nicht!!! – Oh!

P: Herr Kowalski, darüber, wie Sie Ihre eigentliche Bestimmung, also Ihre Altstimme entdeckt haben, darüber gibt´ s verschiedene Versionen. Eine davon sagt, dass Sie einmal für eine Kollegin einfach einen hohen Ton bei einer Orpheus-Arie gesungen haben. Stimmt das?

K: Die Kollegin ist ja dabei. Sie ist jetzt bei uns im Chor in der Komischen Oper und sitzt dann immer bei „Orpheus“ im Orchestergraben.
Also, es ist wirklich wahr: Sie hatte eine Korepetitions-Stunde – wir waren im gleichen Studienjahr – und sang die Arie „Ach, ich habe sie verloren...“ in der französischen Fassung mit den zwei hohen f am Schluss und die quälte sich da ganz schön einen ab. Und da hab ich mich dahintergestellt und hab das einfach so – patsch – gesungen. Und die Pianistin drehte sich um und sagte: „Mein Gott, du bist ja ein Countertenor!“ Und da hab ich gesagt: Was is´n DAS? – So kam´s raus.
Und da machte die mich ganz nervös damit und fing an: „Ja, da musst du.....und da kannst du.....eine Weltkarriere.....“ und.... na ja..... Alles, was man dann so hört.
Ich wollte das aber gar nicht, weil ich immer dachte, es reicht doch noch zum Lohengrin. Aber, wie sie eben hören konnten...
Das hat mich krank gemacht, wenn ich so was höre! Mein Idealklang war immer Fritz Wunderlich, ist es bis heute. Ist eigentlich mein einzigstes richtiges gesangliches Vorbild und ich versuche ihn immer, wo ich nur kann, nachzumachen im positiven Sinne: Also, zu klauen, wie er interpretiert und wie natürlich er singt. Das möchte ich eigentlich in meinem Fach erreichen, diese Natürlichkeit wie er...
So, also noch mal...

P: Noch mal zurück zum Entdecken. Da haben Sie dann Marianne Kupfer vorgesungen?

K:  Das kam alles viel, viel später.
Ich war immer noch ein mäßiger Tenor an der Hochschule, aber diese Korrepetitorin machte mich ganz verrückt mit diesem Countertenor. Na ja ...
Und die DDR ist ein kleines Land, jeder kennt fast jeden beim Theater. Sie traf sich mit einer Dame vom Theaterverband der DDR und unterhielt sich darüber, dass da ein Gesangsstudent ist, der die Fähigkeit oder die Begabung zu diesem Fach hat und jetzt bekam ich plötzlich aus heiterem Himmel vom Landestheater Halle, vom Generalmusikdirektor, einen Brief, da stand drin: Herr Kowalski, wir haben gehört, dass sie sich auf das Fach des Countertenor spezialisieren wollen... – Also, ich wusste überhaupt nicht...

P: ...was das ist.

K: ....wie das jetzt zusammenhängt. Ich kannte da überhaupt gar nichts.
Ich ging damit wieder zu dieser Frau Franke - Korrepetitorin – was nun tun?
Sie sagte: „Da musst du dir nun ein Repertoire, also ein paar Arien einstudieren.“ - Es war eine Einladung zum Vorsingen in Halle. Dazu muss man sagen, in Halle sind jedes Jahr die Händel-Festspiele und sie wollten diese Händelopern wieder in originaler Stimmlage, weil das jetzt zur Zeit – ich sag´s mal ruhig - modern ist. – Na ja......
Jetzt bin ich in die Berliner Staatsbibliothek gegangen, weil da die ganzen englischen Schallplattenaufnahmen lagen, von „Rinaldo“... also von diesen ganzen Händelopern und ich musste mir das ja alles erst mal zu Gemüte ziehen, wie meine Kollegen da singen.
Und da hab ich mir wirklich wochenlang alles reingezogen, mit mehr oder weniger Freude daran, aber ich musste erst mal stilistisch einen Begriff von dieser Art Singen bekommen.
Dann hab ich mir zwei Arien rausgesucht, hab nach Halle geschrieben: Ich komme zum Vorsingen – das war im Januar 1982 – aber ich bitte darum, wenn ich komme, dass die Bühnenarbeiter von der Bühne verschwinden, denn wenn die da anfangen zu lachen, wenn ich singe, dann kann ich nicht weiter. Und das haben die wirklich gemacht für mich.
Die ganze „Händel-Mafia“, sag ich mal dazu, die saßen alle im Zuschauerraum und haben sich ja nun gefreut: Jetzt kommt da so einer und singt Countertenor ...
Ich sang als erstes das Largo „Ombra mai fu“ und dann eine Arie aus „Julius Cäsar“ und ich hatte geendet und da kamen die schon an mit dem Klavierauszug: Sie singen in vier Monaten den dritten Akt der Händel-Oper „Muzio Schevola“ bei den Internationalen Händel-Festspielen... Ich wusste in diesem Moment nicht, ob ich mich freuen oder ob ich weinen sollte. Wirklich!
Ich hab ja bis dato noch nie mit Orchester gesungen... dann so eine wahnsinnig schwierige Partie! Ich hab die Noten aufgeschlagen und fand da erst mal unheimlich viele Noten, viele ganz kleine Noten mit Koloraturen. Ich wusste gar nicht, wie man so was singt!
Die haben mir die Noten mitgegeben, da bin ich zu Frau Kupfer gegangen, hab ihr mein Los geschildert und da hat sie gesagt: „Okay, wir machen´s zusammen, aber anders als deine Kollegen in England. Ich arbeite mit dir, aber ich will den ganzen Menschen dahinter spüren und nicht nur eine Stimme bis hier.“ Und so fingen wir an.
Da haben wir heimlich - weil das an der Hochschule niemand wissen durfte, sonst wäre ich eventuell noch exmatrikuliert worden, weil man ja nicht zwei Lehrer haben darf – haben wir uns immer zwischen 5 und 7 Uhr abends in der Komischen Oper getroffen und da hat sie mit mir Takt für Takt durchgenommen. Ich hab mir einen sehr guten Italienisch-Lehrer genommen, dass das Italienisch auch perfekt war.
Und dann kam dieser 15. Juni in Halle, der Intendant der Komischen Oper saß in der ersten Reihe und mir wurde ganz schlecht! - Der kannte mich ja durch mein Praktikum an der Komischen Oper als Lehrbube in „Meistersinger“.
So, dann kam mein erster Einsatz – also ich zitterte da wirklich – und der erste Ton war raus und da hab ich gespürt: Das ist die Musik für dich und da bist du genau richtig! In dem Moment hab ich´ s gespürt...
Und dann lief das alles wie am Schnürchen und zum Schluss brach da ein Tumult los, wie der in Halle eigentlich ziemlich selten ist. Ja, kann man wirklich sagen!
Und ich war so gerührt... und zwei Tage später stand´ s im „Neuen Deutschland“ - das ist unsere Hauptzeitung - und was im „Neuen Deutschland“ steht, das ist dann gut und dann war es auch an der Hochschule gut. Da war ich plötzlich der Gute, da war ich das Stimmwunder der Berliner Hochschule und da waren sie dann alle ganz nett zu mir.

P: Und da sind Sie dann gleich an die Komische Oper engagiert worden?

K: Der Chef kam nach der Aufführung in meine Garderobe und hat mir was ganz Liebes gesagt, also: „...demnächst treffen wir uns...“ und da war das eigentlich schon klar, dass ich an dieses Haus komme, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe, denn Countertenor ist für die DDR was völlig Neues. Es gab ja überhaupt kein Repertoire. Keiner wusste... Sie wussten zwar aus „Meistersinger“, dass ich mich einigermaßen auf der Bühne wie ein Wirbelwind bewegen kann, aber ob ich auch eine Rolle gestalten kann, wusste ja keiner und es ist eigentlich eine tolle Sache, dass ich von der Hochschule direkt an dieses Haus gekommen bin.

P: Sie haben vorher schon ein Praktikum dort gemacht?

 K: Ja. Der Kupfer kam 1981 von Dresden an die Komische Oper – das muss ich noch dazwischen schieben – und machte als erste Inszenierung „Die Meistersinger von Nürnberg“ . Und er wollte für die Lehrbuben nicht die gestandenen Chorsolisten auf jung trimmen, sondern er wollte direkt junge Leute dafür haben und hat gesagt: „Da müssen die Musikstudenten der Berliner Schule ran, da haben die gleich ein Praktikum“ und das war eigentlich eine ganz tolle Sache! Seine Frau musste das so ein bisschen überwachen – sie ist Gesangslehrerin, bis heute meine Gesangslehrerin – übrigens Schülerin von Tiana Lemnitz, die ja sicher in Wien auch noch ein Begriff ist. Sie hat uns dann betreut, eingesungen und da kam der Kupfer mal nach einer Probe zu mir und sagte: „Herr Kowalski, das ist da sehr gut, was sie machen als Lehrbube und ich glaube, eigentlich sind sie ein Solist. Ich weiß nicht, wie das mit ihrer Stimme läuft, das muss meine Frau entscheiden und wir behalten sie mal im Auge.“
Sie wollten ein bißchen schon die jungen Leute sortieren, was eventuell für das neue Ensemble gebraucht wird. Na ja, so kam das dann...

P: Darf ich nochmals zurück kommen auf die Stimme: Marianne Kupfer hat gesagt, wir machen es „anders“ als in England. Wir versuchen also nicht nur mit Kopfstimme zu singen...

K: ...sondern mit dem ganzen körperlichen Einsatz.

P: Wie kann man das beschreiben?

K: Das kann man so beschreiben.... das ist eine ganz normale Stimme, wie Domingo und Pavarotti in ihrer Stimmlage auch.... Also wenn ich singe, dann singt das nicht nur bis hier, da ist ja unterhalb auch noch was. Und das singt alles mit, das gehört dazu. Und das macht auch, glaube ich, die Sinnlichkeit dieser Musik erst aus.
Ich hatte auch meine Auseinandersetzung mit einem berühmten Dirigenten aus der alten Musik-Szene - ich hasse sowieso das Wort „Alte Musik“, es gibt nur gute oder schlechte, find ich – der von mir verlangte, das war in London zu einer Schallplattenaufnahme, ich sollte jetzt mal so singen wie die englischen Kollegen. Und der hat mich da in diesem Studio fast zur Verzweiflung gebracht und da hab ich ihm die Noten hingeknallt und gesagt: Dann holen sie sich ihre Engländer, ich kann´ s und ich will es auch nicht so machen. Weil ich das nicht BIN!

P: Haben Sie diese Aufnahmen mit dem Alfred Deller oder Geoffrey Gall oder Paul Esswood...? Kennen Sie die?

K: Ja, ich kenne alles. Ich hab das auch alles zu Hause. Und stilistisch kann ich da unheimlich viel davon lernen. Wirklich!

P: Es ist aber, wie SIE singen was ganz anderes, auch rein körperlich?

K: Ich denke schon. Ich meine ..... Oder?.... Tja.....

P: Wir empfinden es auch als ganz anders.

 K: Wenn ich das erreichen kann, wäre ich eigentlich froh!
Für mich ist Singen das Natürlichste von der Welt. Und diese Stimme ist jetzt meine Identität, das ist die Art, mich auszudrücken. Was ich zu sagen habe, mache ich über diese Stimme, über diese Gesangsstimme und da spielt jede Muskelfaser mit, von der großen Zehe bis hier. Sonst könnte ich auch diesen „Orpheus“ nicht durchstehen, sag ich ganz ehrlich. 

P: Also, es bedeutet für Sie keinerlei Anstrengung oder keinerlei Verstellung?

K: Ich muss mich nicht verstellen, nee. Das wäre ja schrecklich! Nee, also das brauch ich nicht, es ist für mich ganz natürlich. Ich kann´ s auch gar nicht erklären... das kommt ...

P: Hat Ihr Beispiel eigentlich Schule gemacht in der DDR? Gibt es andere Countertenöre?

 K: Ja, in Halle fängt jetzt jemand an und es gibt auch junge Männer, die noch in Männerquartetten singen. Aber komischerweise orientieren die sich mehr nach der englischen Tradition. Aber... ist mir egal...

 P: Wir sind vorher stehen geblieben bei Ihrem Engagement an die Komische Oper. Dort sind Sie 1982 engagiert worden.

K: 1983.

P: 1983. Sie haben ja eigentlich verhältnismäßig spät Ihr Musikstudium begonnen.

K: Sehr spät.

 P: Mit 23 Jahren, soviel ich weiß. Und haben dann sechs Jahre intensiv studiert, so habe ich es gelesen, sind dann eben an die Komische Oper engagiert worden und sind dort in kleinen Partien aufgebaut worden.

K: Wenn ich das so im Nachhinein betrachte, war es eigentlich so Stufe für Stufe wie man sich das nur wünschen kann. Ich hatte wirklich das große Glück – das hat nicht jeder!
Die erste Partie war der Fjodor in „Boris Godunow“. Das ist ja eigentlich eine Hosenrolle und wird immer von verdienten Volkskünstlerinnen der RSFSR gesungen – mit sooo einer Figur. Wenn man Aufführungen aus dem Bolschoj-Theater sieht, weiß man das. Und der Kupfer sagte: „Nee, das ist der Sohn des Zaren Boris Godunow und das muß jetzt ein Junge sein.“
Es ist keine große Partie, aber eine wunderschöne Partie zum Singen und auch eine unheimlich schwere Partie. Man darf das nicht unterschätzen. Und er hat mich so eingebaut, dass ich auch auf der Bühne war, wie er´s ja gerne macht, wenn man eigentlich nichts zu tun hat, sondern dass man intensiv dabei ist. Die Szenen mit dem Vater... und es war eigentlich ein ganz guter Erfolg.
Und eine Weile später wurde ein großes Oratorium von Händel aufgeführt in der Komischen Oper, „L´Allegro“, da hab ich schon eine größere Partie und es entwickelte sich immer weiter, bis dann gesagt wurde: So, jetzt machen wir „Giustino“ - das wollte der Kupfer schon in Weimar, zu seiner Weimarer Zeit machen – jetzt versuchen wir´s einfach mal.
Das war natürlich eine große Herausforderung und ich hab mich da rein gekniet mit aller Energie. Das war 1984 und das war so ...  ganz gut auch. Das war dann so der Durchbruch, kann man sagen.
Und darauf kam dann die Einladung an die Staatsoper Hamburg mit „Belsazar“ von Händel, auch in der Produktion von Harry Kupfer. Die ist wieder ganz anders als „Giustino“ und es war für mich unheimlich schwer, umzuschalten.

P: Wir haben lange keine Musik gehört. Hören wir uns eine „Giustino“- Arie an.

Musikeinspielung SE PARLA NEL MIO COR (aus „Giustino“  von G. F. Händel)

P: Herr Kowalski, der „Giustino“ ist IHRE Rolle geworden, weil diese Aufführung mit so viel Humor inszeniert wurde. Ist das, glauben Sie, schon von Händel angelegt als eine Parodie der Opera Seria ?

K: Ich glaube, da ist was dran. Sie ist ja 1737, fast zum Schluss seiner Opernzeit entstanden und ich hab so die Vermutung. Also, wenn man genau hinhört .... aber mit unheimlich viel Liebe!

P: Ja, und von Kupfer ist natürlich diese parodistische Element verstärkt worden.

K: Ich finde, das ist eine der schönsten Inszenierungen überhaupt und wir haben sie ja in Berlin schon fast 50 mal... das ist für eine Händeloper vollkommen ungewöhnlich.
In Wien lief es, glaub ich, auch schon über 25 mal und es kommt wieder... (Applaus)
...und die Leute sehen´s gern ... und es macht immer wieder großen Spaß! Es ist wirklich so.

P:  „Giustino“  war Ihre erste  Begegnung mit Wien?

K: „Giustino“ war meine erste Begegnung mit Wien, ja.

P: Und wie hat es Ihnen hier damals gefallen?

K: Ich kann Ihnen das genau sagen:
Ich kam nach Wien mit dem Flugzeug und da hieß es: Wien wird nicht angeflogen, weil... Nebel und Schnee und so, und wir sind in Linz gelandet und mit Bussen nach Wien. Und da waren dann hier schon Proben und die waren schon erst mal sauer: Kowalski kam nicht... Der Star!... Macht schon hier auf Allüren!... So ging´ s schon in der Volksoper los.
Also, es war kein so ganz netter Einstieg, aber ich konnte wirklich nichts dafür! Ich hatte angerufen, dass wir in Linz landen... Na ja, so ging´ s dann los.
Und Wien... ich hab von Wien gar nichts gesehen, es war alles eingeschneit! Der Schnee lag so hoch, das war dieser Januar 1986 - Sie können sich sicher erinnern - da war von Wien nichts zu sehen und... also, es war kalt und ich war alleine und es war eigentlich ganz furchtbar!
Und da hab ich mich an Lotte Lehmann erinnert, an ihr schönes Buch und ihr ging´s ähnlich: Sie kam aus Hamburg nach Wien an die Hofoper und sie fühlte sich auch gar nicht so ganz wohl.
Aber ich finde, Wien muss man sich erobern, das geht nicht so ganz, ganz schnell. Wenn man dann so drin ist, ist es eigentlich sehr schön!

P: Spätestens nach der Premiere...

K: Nach der Premiere, ja.

P: ...waren Sie ja ein Liebling der Wiener.

K: Es wäre schön, wenn es so wäre!

P: Direktor Dönch hat Ihnen dann den Orlofsky in der „Fledermaus“ angeboten.

K: Erst mal muss ich Hofrat Dönch überhaupt danken, dass der das gewagt hat, überhaupt eine Händeloper nach Wien... denn ich weiß nicht, wann hier zuletzt an einem der beiden Häuser, an der Staatsoper und Volksoper, ob da mal im Repertoire eine Händeloper war. Wissen Sie das? Weiß das jemand? Es gab mal im Theater an der Wien einen „Julius Cäsar“ von Harnoncourt...

P: Mit Seefried und Fischer-Dieskau gab´s an der Staatsoper einen „Cäsar“.

K: Das weiß ich - da hab ich noch gar nicht gelebt... Das muss bestimmt toll gewesen sein!
Na ja, jedenfalls war das von Hofrat Dönch eine ganz tolle Sache, der hat mir eigentlich den Weg für Österreich gebahnt und das vergesse ich ihm auch nie.
Na ja, und nachdem es mit dem „Giustino“ so lief, hieß es, es soll ´ne neue „Fledermaus“ kommen.
Ich hatte ja immer schon diese verrückte Idee, ich wollte unbedingt mal den Orlofsky machen und hab mich da so mit Leuten unterhalten und die haben das dann Hofrat Dönch weitererzählt... in Wien geht das ja schnell.....

P: Ja?

K:  Das gibt´s in Berlin auch, aber hier fällt´s mir auf. Na, jedenfalls sagte er: „Das machen wir!“
Und dann dachte ich, also das wird jetzt sicher ein Reinfall, aber du kannst es probieren: in Wien Operette, von einem Berliner gesungen und dann noch Orlofsky und dann in der „Fledermaus“ – das kann eigentlich nicht gut gehen!
Naja, es ging ganz gut, ja....

P: Das war dann, glaube ich, schon die Direktion Wächter?

K: Das war die erste Premiere der Direktion Wächter.

P: Die „Fledermaus“, das war ja eine sehr interessante Inszenierung.

K: Es WAR eine interessante Inszenierung...

P: Haben Sie inzwischen den Orlofsky auch schon wo anders gesungen?

K: Ich habe ihn noch nicht wo anders gesungen, nein.
Ich singe ihn dieses Jahr zu Silvester in Düsseldorf. Das ist auch ´ne Otti-Schenk-Inszenierung, ist überall die gleiche.

P: Und Silvester 1991 in der Wiener Staatsoper?

K: In der Staatsoper, ja. Ich hab ein bisschen Angst davor, sag ich ganz ehrlich!

P: Ja, aber Sie freuen sich darauf?

K: Ich freu mich! Und es ist der Traum eines jeden Sängers – also jedenfalls für mich gibt´ s zwei wichtige Häuser, wo ich unbedingt singen möchte – ich kann´ s ja hier ruhig sagen: Das ist die Berliner Staatsoper und die Wiener Staatsoper.
Weil das hat eigentlich mit meinem Zuhause zu tun und mit der Tradition, das ist... Für mich wäre es das Größte, sag ich ganz ehrlich. Das kommt vor MET und Scala und alles, was es da sonst noch gibt.

P: In der Berliner Staatsoper haben Sie auch noch nicht gesungen?

K:  Noch nie.
Ja, ich sollte den Orlofsky da singen und hab mir die Inszenierung angesehen und hab darnach festgestellt, dass das eigentlich nicht geht und es ist mir noch nie eine Absage so schwer gefallen, sag ich ganz ehrlich, aber es musste sein.
Ja, und nun hat Direktor Wächter mich gefragt: „Haben sie Lust, mit rüber zu kommen?“ Ich sag: „Wohin denn?“ - ganz scheinheilig – „Na, in die Staatsoper“ – Und ich sag: „Und was soll ich da machen?“ – „Na, Orlofsky!“
Na ja. - Kowalski singt Orlofsky in der Staatsoper...  Aber nur, wenn ich da wirklich ´ne Orchesterprobe kriege, dass ich mich auf dieser Riesenbühne und in diesem Riesenhaus... dass ich da überhaupt zu hören bin. Sagt er: „Wird alles geregelt!“ Also, das ist alles abgesichert, sonst hätt´ ich´s auch gar nicht gemacht. Einfach so auf die Bühne stellen, das mach ich nicht!
Das sollte ich in Mailand machen. Da war ein Angebot für Jomelli, mit einer halben Woche Probe, einer Orchesterprobe, und dann in der Scala singen!
Jeder freut sich drauf und ich hab richtig Herzklopfen bekommen, als ich von meiner Agentin das Angebot hatte, und da dachte ich: Nee, letzten Endes kannst du das nicht machen.
Und ich hab eigentlich sehr gute Freunde an der Komischen Oper, die mir dann helfen, dass wir´s nicht machen brauchten. Da wurde dann eben ´ne Spielplanänderung ... Weil, man sagt ja der Scala auch nicht ab! Die sind ja dann auch böse, aber es geht aus künstlerischen Gründen... kann man es nicht machen. Wir arbeiten in Berlin an einer Inszenierung mindestens acht Wochen und ich kann nicht ´ne völlig unbekannte Partie in einer halben Woche... Wat soll das? Das ist doch keine Kunst, finde ich!
(Applaus) 

P: Herr Kowalski, wie Sie hier an der Volksoper „Giustino“ gesungen haben, hab ich gehört, sind Sie sehr oft in die Staatsoper gegangen und waren aber relativ enttäuscht und sind in der Pause oft weg gegangen. Stimmt das?

K: Ja. Leider ja. – Nicht böse sein!
Ich hab mal eine Aufführung gesehen, das waren vier Weltstars drin und das war so schrecklich! Jeder wollte lauter sein als der andere und es war eigentlich auch kein Theater mehr. Manche haben ganz schön gesungen, aber von manchen war ich auch enttäuscht.
Nee, dachte ich, nee, so möchte ich nicht Theater spielen! Der liebe Gott bewahre mich davor, dass ich mal so werde! Das möchte ich eigentlich nicht. Für mich ist das Ensemble sehr wichtig.
Und dann habe ich aber eine Aufführung gesehen von „Bajazzo“... ich wollte unbedingt den Domingo sehen... Ich kannte ihn ja nur vom Film, Video und Platte und das war für mich so ein Schlüsselerlebnis, dieser Mann! 
Ich meine, die Wiener haben den Domingo sehr, sehr oft und vielleicht haben sie ihn auch schon über. Das ist ja manchmal so, wenn man was Gutes zu viel hat, so was gibt´s ja. Ich höre so was oft.
Für mich war das phänomenal, weil da stimmte auch alles: Da stimmte die Stimme, die Darstellung und die ganze Persönlichkeit. Dann kam die Arie und ein Orkan brach da los... Das Große an Domingo war: Er stieg nicht aus der Rolle aus, nein, er blieb Bajazzo, drehte sich da zu diesem Lastwagen um und reagierte gar nicht drauf und das hat mir eigentlich sehr gut gefallen.

P: Für Sie ist das Ideal eines Ensembles  wie es in der Komischen Oper vorhanden ist und wie vor allem Kupfer als Regisseur ein Opernhaus prägt?

K: Der Kupfer hat die große Gabe...
Ensemble ist bei uns... Die Zeiten sind ja, glaube ich, vorbei. Er holt sich ja für seine Inszenierungen von überall Sänger, aber die prägt er in der Probenzeit zu einem Ensemble. Er schweißt sie richtig zusammen, sodass immer ein Ensemblegeist herrscht und es ist wie eine Familie. Diese Probenzeit ist eigentlich mit die schönste Zeit und es ist immer schade, wenn die Probenzeit vorbei ist. Man freut sich aber auf die Vorstellung, weil da die Familie wieder zusammen ist. Das ist ein tolles Gefühl!
Das wird ihnen Dagmar Schellenberger sicher bestätigen und so war´s in Hamburg mit „Belsazar“. Da ist die Helen Donath dabei, der Walter Raffeiner und die anderen Solisten. Das ist, wenn wir uns in den Vorstellungen treffen, wie eine Familie und das ist ´ne tolle Qualität und einer baut den anderen auf.
Das ist eigentlich die Art von Theater, die ich mag. Da bin ich leider versaut – aber zum Guten, denk ich.

P: Sie haben von „Belsazar“ grade gesprochen, das wäre das nächste Musikbeispiel: Eine Aufnahme von Hamburg aus dem Jahre 1987.

K: Ein Mitschnitt, ja. 

P: Und Ihnen hat Frau Kupfer einmal gesagt, als Sie sagten, Wagner liebe ich besonders: „Dein Wagner ist Händel!“

Musikeinspielung  DU MENSCHENFREUND... (aus „Belsazar“ von G. F. Händel)

P: Herr Kowalski, Sie haben mittlerweile an fast allen großen Opernhäusern, in Europa zumindest, gesungen. Ich weiß nicht, ob außerhalb Europas auch schon?

K: Nein. – Ist mir auch zu weit!

P: Sie könnten sich inzwischen aussuchen, wo Sie singen und wo Sie zu Hause sind, aber Sie sind eigentlich in Berlin an der Komischen Oper zu Hause und wollen dort nicht weg.

K: Nee, eigentlich nicht. Hab ich nicht vor. Nee!

P: Was ist die große Attraktion für Sie in Berlin?

K: Erst mal bin ich mit Leib und Seele Berliner. Wirklich!
Und das ist ´ne Lebenseinstellung, Berliner zu sein. Mir gefällt diese Stadt mit allen ihren Vor- und Nachteilen. Erst mal bin ich da groß geworden, hab meine Familie da und dann dieses Haus. Ich meine, das ist eine Einmaligkeit! Es muss ja nicht sein, dass man da jedes Jahr eine große Partie singt – das geht auch gar nicht in meinem Fach – aber ich hab da mein festes Engagement und dieses Haus gibt mir die Möglichkeit, im Rahmen der Möglichkeiten zu gastieren wo ich will, wie ich will, wann ich will und das ist eigentlich ein Sonderfall.

P: Genießen Sie da, sozusagen, Privilegien?

K: Ich hasse das Wort „Privilegien“.
Vielleicht klingt´ s jetzt ein bisschen komisch, wenn ich das sage, aber wenn man in diesem Beruf ist und man ja doch... ein bisschen was Außergewöhnliches leistet - ich muss das mal so sagen, nicht dass Sie denken, ich bin jetzt irgendwie arrogant, oder so – dann hat man natürlich verschiedene Vorteile, die andere vielleicht nicht haben... würde ich so sagen, ja.

P: Und jetzt kommt die unvermeidliche politische Frage nach DDR und Zensur-Maßnahmen und dergleichen...

K: Hatte ich eigentlich bis jetzt noch nicht.

P: Nichts gespürt?

K: Nee! – Ich hab ein ziemlich großes Maul und ich hab auch wirklich da gar keine Schwierigkeiten, sag ich... Nicht, weil ich´s jetzt sagen muss, sondern weil´s so ist.
Wenn irgendwas zu klären ist, da hab ich meine Leute, da geh ich hin, mit denen berate ich das dann und die helfen mir und unterstützen mich. Das ist ein schönes Gefühl, wenn man so was im Rücken hat... die zu einem stehen....

P: Sie haben Ihre Brüder auch dort?

K: Der eine, wie gesagt, ist Fleisch...-  wie heißt das hier? Metzger? - ... Fleischhauer! Und mein anderer ist bei der DDR-Nachrichtenagentur Journalist. Wir haben guten Kontakt.

P: Und Sie haben, soviel ich weiß, Neffen und Nichten?

K: Nein, nur Nichten.

P: Nur Nichten, denen Sie immer aus dem Ausland was mitbringen.

K: Ja. Die haben schon immer so ihre Wünsche. Neuerdings wollen sie immer Jeans haben und dann kriegen sie ihre Jeans, die Kleinen. Sieht hübsch aus! Und ich mach´s auch gerne. Wenn der Onkel dann kommt...  das ist immer was Besonderes.

P: Was machen Sie, wenn Sie nicht singen? Wofür interessieren Sie sich sonst?

K: Ich sammle alte Schallplatten, also mit berühmten Sängern und ich stöbere in Wien hier und überall, wo ich bin, in diesen Trödlerläden umher. Und mich interessieren eigentlich Stimmen, gute Stimmen. Und ich lese viele Biografien über Sänger, über Musik und ich fahre sehr gern Auto – leider zu schnell... 

P:  Ich habe einmal gelesen - weil Sie vorhin gesagt haben, Sie sammeln Schallplatten - Sie haben vier Idole: Also, Wunderlich haben Sie schon genannt... 

K:  Der steht über allen! 

P:  ...die Callas, Chaliapin und Caruso.

K:  Ja.

P:  Warum gerade diese vier?

K:  Weil es nicht nur Stimmbesitzer waren, sondern auch Darsteller.
Wenn ich jetzt noch die Platten von Caruso höre, da singt einer nicht einfach „Di quella pira“,      sondern Manrico steht dann da.
Oder „Bajazzo“... Das ist für mich absolut hundert Prozent ausgefüllt, wenn Caruso singt, oder die Callas „Norma“ oder „Lucia“, oder Chaliapin „Boris Godunow“. Ich sag jetzt bloß mal ein paar Beispiele. Weil mich nicht nur die Stimme interessiert, sondern auch der Mensch und ich hab ja leider nicht das Glück gehabt, die vier mal direkt live zu erleben.
Ich kenne von Chaliapin den einen Film, den „Don Quijote“-Film und das ist schon.... da war er ja schon alt, aber es ist für mich so faszinierend! Ich kann da in dieses Video starren und so viel lernen...
Es sind für mich ganz große Künstler! Und natürlich gehört noch dazu Max Lorenz und Lotte Lehmann.

P: Altistinnen sind nicht dabei bei diesen Idolen?

K: Doch, ja. Die Ferrier und auch die Margarete Klose hab ich schon sehr gern.

P: Herr Kowalski, wenn wir jetzt vielleicht zum nächsten Musikbeispiel übergehen – „Julius Cäsar“ – das wurde ja , glaube ich, in den letzten Jahren fast nie von einem Countertenor gesungen. Oder  wie war das?

K: Doch.
Ich hatte es ja in Paris an der Grande Opera, da sang ich den Ptolomäus, und da waren drei Countertenöre drin. Das waren zwei zu viel... Da war ich der Ptolomäus und der Graham Pushee war der Julius Cäsar und der Nirenius war auch ein Countertenor. Also, es waren drei verschiedene Fächer. Es gibt sogar einen Buffo-Countertenor.  

P: Und Sie finden, dass es besser ist...

K: Nee, es muss nicht besser sein. - Also, wenn Fischer-Dieskau das gesungen hat, das muss phantastisch gewesen sein! Hauptsache, die Figur stimmt. Also, mir ist es völlig egal, ob das ein Bariton, eine Frau oder ein Countertenor singt, Hauptsache, Julius Cäsar ist da. Das ist für mich das Entscheidende und wer die Rolle ausfüllt, soll sie singen, finde ich.
Der Harnoncourt ist ja sonst auch mit authentischer Besetzung immer sehr befließen und er hat´s ja hier auch von Benjamin Luxon singen lassen, den Cäsar. Es muss nur gut sein und da ist es dann überzeugend.
Ich hab jetzt in Düsseldorf meinen ersten Cäsar gesungen, in einer Inszenierung von Hansgünther Heyme. War für mich ziemlich erfolgreich und es hat mir auch großen Spaß gemacht.

P: Hören wir uns das an!

Musikeinspielung VA TACITO.... (aus „Giulio Cesare in Egitto“ von G. F. Händel)

K: Also, diese Arie liebe ich besonders! Es ist so toll zu singen... kann ich Ihnen gar nicht sagen, was das für ein Gefühl ist, wenn man da stehen kann, auf der Bühne und diese Arie singen darf. Ich muss ja immer sagen: DARF... dass man so was Schönes singen DARF! Das ist ein Glücksgefühl, sondergleichen, kann ich Ihnen sagen. 

P: Sie sind so ein lockerer Typ mit Berliner Schnauze. Sie haben nie das Gefühl, dass, in so klassische Heroen sich zu vertiefen, etwas mühsam ist?

K: Ich mach´ die ja nicht....  ich lege die ja nicht als Heroen an. Bei mir ist immer ein bisschen Augenzwinkern dabei. Wirklich! Also, man soll SICH nicht allzu ernst nehmen und diese... Wenn man mal genau auf die Musik von Händel hört, grade auch bei dieser Arie, die ist schon etwas unterschwellig... er nimmt´s ja auch nicht so ganz ernst.
Das ist ja das Herrliche bei Händel: dieses Barocke, ja, dieses Heitere und ein bisschen ironisch ...und man weiß nicht so ganz, wie... und es klingt toll! 

P: Haben Sie eigentlich je daran gedacht, die drei großen Hosenrollen der Opern-Literatur....

K: Nein!!! - Sie brauchen gar nicht weiter zu reden!

P: Ich meine, Cherubino, Octavian, Komponist...

K: Nee! –  Ich finde, das soll Agnes Baltsa singen, die macht das so gut und die anderen. Da muss ich das nicht.

P: Aber  wäre das nicht interessant, wenn einmal ein junger Mann den Cherubino singen und darstellen würde?

K: Also.... ja, reizvoll wär´s schon, aber...

P: Ist das musikalisch für Ihre Stimme nicht möglich?

K: Bei mir sind stimmliche Grenzen gesetzt und in diesen Grenzen möchte ich mich bewegen. Der Mensch versuche die Götter nicht! Ich möchte ja noch ´ne Weile singen.
Ich könnte den Cherubino sicher mal irgendwie singen, wenn ich ausgeruht bin, aber die Lage ist auf die Dauer zu hoch. Ich muss mir nicht die Stimme ruinieren deswegen. Die Frauen machen das so gut!
Ich habe hier eine Aufführung an der Staatsoper gehört, mit Ann Murray, und das war für mich.... sie hat´s so gut gemacht! 

P: Da denken Sie also nicht daran?

K: Nee, überhaupt nicht.
Aber viele Altistinnen haben so Hintergedanken, wenn die mich hören, und sind dann immer so spitz mit ihren Äußerungen. Aber ich nehme ihnen keine Partien weg.

P: Wie ist es bei Mozart, bei den frühen Mozart-Opern? 

K: Die möchte ich gerne alle der Reihe nach singen, ja. „Mitridate“ mach  ich in London....

P: „Mitridate“ haben Sie gesungen, den Farnace, oder?

K: Den singe ich erst. In London in einer neuen Produktion. Dann möchte ich gerne „Ascanio in Alba“ singen, den Ascanio.
Jetzt hat mir wieder der Herr Haenchen, der Dirigent des „Orpheus“ gesagt, was ich auch nicht wusste: Man hat herausgefunden - wieder ganz kluge Musikwissenschaftler - dass die Mozart-Partien zu Mozarts Zeit alle anderthalb Ton tiefer waren. Das sind natürlich neue Möglichkeiten und vielleicht mach ich mal den Idamante in „Idomeneo“. Ich hab auch den Annio gesungen in „La Clemenza di Tito“ von Mozart. Das hat mir Rolf Liebermann angeboten nach dem „Belsazar“ in Hamburg. Wenn man Mozart singen kann, das ist das Schönste, was es gibt!

P: Sie werden auch Mozart-Lieder singen, habe ich gehört?

K: Ja.

P: Wann und wo?

K: Ich hab sie schon gesungen. Am 27. November war in der Komischen Oper die Premiere und am 14. Dezember in der Staatsoper Hamburg im letzten Jahr. Da singe ich fünf Mozart-Lieder innerhalb dieses Liederabends.

P: Gibt es oft Liederabende in Ihrem Leben, in Ihrer Karriere?

K: Ich fange jetzt erst – ziemlich spät – damit an, weil ich mir das nicht ganz so zugetraut habe und ich hatte immer ein bisschen Angst, weil ich finde, es ist das Schwerste, Lieder zu singen. Überhaupt, den ganzen Abend allein da zu stehen. Aber ich habe festgestellt, dass es auch das Schönste ist. Und ich möchte jetzt da ein bisschen weiter arbeiten.

P: Singen Sie da nur Mozart?

K: Ich singe Bellini – mit Bellini fange ich an – dann kommt Mozart, dann „Die ferne Geliebte“ von Beethoven, dann noch eine Mozart-Konzertarie. Aber ich bereite zum Mozartjahr einen vollkommenen Mozart-Liederabend vor und auch die „Schöne Müllerin“ möchte ich gerne machen. Mach ich auch, hab da Angebote dafür...

P: Wo?

K: Das darf ich noch nicht sagen.
Na ja, ich will da ein bisschen weiter arbeiten, weil, es macht mir großen Spaß und es ist eine tolle Herausforderung!

P: Die romantsche Literatur denken Sie auch, sich zu erobern?

K: Na ja, ich geh nur bis zur „Müllerin“, glaub ich.

P: Haben Sie einen guten Begleiter?

K: Ich werde jetzt... Bessere haben. Das ist ganz wichtig!
Also, der Hartmut Höll hat sich angeboten, dann habe ich in Düsseldorf jemanden kennen gelernt, der hervorragend ist. Ich bin in Verhandlungen mit vielen und ich habe jetzt bei uns an der Komischen Oper einen sehr guten Begleiter gefunden, Herrn von Kampts. Ich möchte mich auch nicht ganz so festlegen auf einen. Ich brauche Anregungen von vielen Seiten.

P: Bei der Schubertiade in Hohenems, werden sie dort die „Schöne Müllerin“ singen?

K: .......

P: Darüber wollen Sie nicht reden.

K: Ja ne znáju...  

P: Weil wir grade dabei sind: Schubertiade und Vorarlberg. Sagen sie eigentlich oft ab?

K: Ich musste einmal leider absagen, aber es hatte ganz triftige Gründe. Ich sage nicht sehr gerne ab! Nur wenn es nicht zu vermeiden ist, mach ich das.

P: Sie haben voriges Jahr die Innsbrucker Musikfreunde sehr enttäuscht, bei der Festwoche für Alte Musik ...

K: Bloß, was soll ich machen, wenn ich unter Antibiotika stehe und der Hals zu ist ?!

Ich habe die Atteste hingeschickt von der Humboldt-Universität und wenn sie´s mir dann noch nicht glauben, ich weiß nicht, was ich dann noch machen muss! Aber ich sag wirklich nicht gerne ab und es ist keine böse Absicht.

 

P: Aber Sie muten sich nicht zu viele Abende zu? Wie viele, etwa, singen Sie?

 

K: Doch! Ich hab mir manchmal zu viele zugemutet. Zum Beispiel, zweimal „Orpheus“ sollte man nicht hintereinander singen. Aber sonst hätte das Gastspiel nicht stattfinden können. Das ist ein Sonderfall und ich hab´s gerne gemacht!

P: Und sonst singen Sie wie viele Abende im Jahr?

K: Ich möchte eigentlich nicht über fünfzig gehen, aber manchmal sind es sechzig und ein paar mehr.

P: Also, ein-, zweimal in der Woche, nicht mehr. Das ist das Äußerste.

K: Mehr darf ich nicht! Aber jetzt hat sich´s etwas gehäuft durch diese „Judith“- Absage. Sonst hätte ich im April vier Vorstellungen, das ist eigentlich ideal, aber nun kam dieses noch dazu... Aber, ich bin gerne hier!

P: Jetzt also Mozart, „Mitridate, Re di Ponto“

Musikeinspielung SON REO... (aus „Mitridate, Re di Ponto“ von W. A. Mozart)

P: Wenn Sie angetreten sind, eigentlich als „Lohengrin“ aufzutreten und jetzt als Altist – Sie wollen das ja, glaube ich, lieber hören, als „Countertenor“. Macht Ihnen das im Privatleben manchmal Schwierigkeiten, wenn die sagen, der singt mit so einer hohen Stimme?

K: Ja.

Das ist nicht angenehm, wenn sie sagen: Da steht ein Mann, der singt wie eine Frau.... Wirklich! Das ist schon ziemlich ein psychologisches Problem auch.

Ich muss ja immer davon ausgehen, dass viele Leute mich zum ersten Mal sehen und hören. Die haben zwar mal gehört, da ist einer, der hat so ´ne wahnsinnig hohe Stimme, aber jeder weiß ja nun auch nicht... und dann gehen sie in die Vorstellung oder ins Konzert und dann komm ich da raus und fange an zu singen. Da kriegen die erst mal ´nen Schreck!

Ich versuche mich ja immer in die Lage der Zuschauer oder Zuhörer zu versetzen und deswegen strebe ich eben an, so natürlich wie möglich, also ungekünstelt, unmaniriert und alles... das möchte ich alles weglassen. So natürlich wie möglich - eben wie Fritz Wunderlich auch – ich meine, wenn man das überhaupt sagen darf, auf diesen Höhen...

SO möchte ich singen, dass die sagen: Mensch, da steht er und er kann nicht anders, die Stimme passt zu dem und das kann nur so sein und das ist völlig okay!

Wenn ich das erreichen kann, wär´s schon okay....

P: Wie hält man sich fit, stimmlich und körperlich ?

K: Ich habe immer mein Buch dabei, da sind diese wichtigen technischen Übungen drin. Schon von Farinelli, die alten Kastraten-Belcantoübungen... Also, die muss ich schon machen.

 

 P: Ich habe gehört, Sie haben eine gute Beziehung zur Religion.

 

K: Ja, das gibt mir eigentlich die Kraft, dass ich das alles durchhalten kann. Klingt vielleicht komisch, aber ist so...

P: Wie? Sie gehen in die Kirche, oder ?

K: Ich brauche die Institution „Kirche“ eigentlich für mich nicht. Diese ganze Zeremonie liegt mir alles nicht so sehr. Ich hab das für mich ganz alleine, da hab ich dann meine Ecke...

Wenn ich in Wien bin - ich bin nicht katholisch, wir sind evangelisch erzogen worden zu Hause - aber ich lasse keine Vorstellung vergehen, wo ich nicht, entweder im Steffl oder in der Michaeler-Kirche, aus Dankbarkeit, dass ich hier sein darf.... jeder kann nicht hier sein und jeder kann nicht solche schönen Sachen singen... da stell ich eben die Kerze auf, das beruhigt mich und gibt mir die Kraft, dass ich das durchstehen kann.  (Applaus)

Darüber muss man eigentlich nicht viel reden, das ist ´ne ganz private Sache. Ich kann auch die Matthäus-Passion nicht singen, also die Alt-Partie, wenn man da nicht den Background hat.

P: Stichwort: Matthäus-Passion. Ich glaube, Sie haben mal gesagt, es war für Sie das Größte, als Sie mit dem Thomaner-Chor in Leipzig die Alt-Partie in der Matthäus-Passion singen durften.

K: Ich hab lange gesagt: Nee, ich trau mir das noch nicht zu und es ist noch zu früh. Und ich hab ja auch die Beispiele: Ich hab wieder Ferrier als Ideal in der Altpartie der Matthäuspassion. Und ich habe aber in der Komischen Oper einen wunderbaren Musiker, der mit mir alle Partien einstudiert, mit dem ich auch menschlich auf einer Wellenlänge stehe.

Und der Thomas-Kantor, Hans Joachim Rotzsch, hat angerufen: „Willst du es dieses Jahr singen?“

Ich hab ´ne Weile überlegt – ich hatte es ja schon studiert, teilweise – und dann haben wir gesagt: Ja, wir machen es!

Aber ich möchte es eigentlich nie in Konzerten singen müssen. Ich finde, die Matthäuspassion gehört nicht in einen Konzertsaal, die gehört in die Kirche.

Muss nicht so sein, aber ich finde, das ist kein Konzert mit Applaus zum Schluss. Leider wurde es von der Thomaskirche verlegt ins Gewandhaus, weil die Thomaskirche restauriert wird zur Zeit. Und ich muss wirklich sagen, Gründonnerstag und Karfreitag waren die schönsten Abende meiner sängerischen Laufbahn!

Trotz „Giustino“, trotz „Orpheus” und alles, aber wissen sie, wenn man diese Musik… wenn man der Musik so nahe kommt, das ist was ganz Besonderes: Sie stehen da, der Konzertmeister spielt das Violin-Solo von „Erbarme Dich“… Ich hab gezittert am ganzen Leibe, weil… ich kann´s nicht beschreiben, es ist was ganz Besonderes, diese Musik!....

Und da bin ich ganz glücklich, dass ich das im nächsten Jahr wieder machen darf.

P: War das heuer?

K: Das war 1988.

P: Und heuer haben Sie es nicht gesungen?

K: Heuer hab ich´s nicht gesungen.

P: Wird Bach in ihrem Leben überhaupt eine größere Rolle spielen?

K: Immer mehr. Ich konnte Bach, als ich neunzehn, zwanzig war, nicht leiden. Da gab´ s nur Richard Wagner und „Lohengrin“ und Bach war furchtbar! Aber das hat sich jetzt alles sehr geändert. Jetzt gibt´s Bach, Mozart und Händel.

P: Ich habe leider keine Aufnahme von der Matthäuspassion von Ihnen.

K: Leider. Es sollte vom Rundfunk mitgeschnitten werden, aber der Evangelist, der an dem Abend singen sollte, der konnte die Partie nicht, noch nicht zur Generalprobe. Und da musste kurzfristig einer eingeflogen werden und nachher haben wir die Rundfunkübertragung absagen müssen.

Muss man auch nicht… Vielleicht sing ich´s mal in Wien, würde mich sehr freuen!

P: Haben sie eigentlich Kontakt mit Peter Schreier?

K: Eigentlich nicht. Ich glaube, der mag das nicht, was ich singe. Der würde eher eine Altistin holen als mich.

P: Ach so?

K: Ist so.

P: Schallplatten: Es gibt zwei CDs mit Ihnen

K: Ja, zwei Solo-CDs. Und dann gibt´s von Schütz den „Schwanengesang“. Dann ist jetzt produziert eine CD mit Solo-Kantaten von Händel, eine mit Orchester und dann mit Continuo-Begleitung. Dann der „Orpheus“, die Gesamtaufnahme. Dann wird im Oktober eine Vivaldi-Kantaten-Platte gemacht, eine Weihnachtsplatte im Februar mit wirklich einem ganz tollen Programm - alte Weihnachtsmusik – also nicht so….

P: …nicht Kitsch?

K: Nein, so was nicht!

Und dann ist geplant eine Mozartoper „Apollo und Hyacinth“…

P: Mit den Wiener Sängerknaben, glaube ich, machen Sie was?

K: Da ist auch was geplant, das werden wir morgen besprechen. Eine Messe von Caldara... Dann eine Soloplatte, wo alles das drauf ist, was ich gerne singen möchte, werde, darf, kann, soll… Da wird alles Mögliche drauf sein.

Und dann mach ich ein bisschen was… das sag ich jetzt nicht! – Weil ich ja auch so einen kleinen Hang zur U-Musik habe, möchte ich so was auch mal machen.

P: Das heißt, Schlager?

K: Schlager ist zuviel gesagt... -  Ich sag´s einfach nicht!

Ich meine, Richard Tauber und die haben ja auch alle so was gesungen… Da hat sich kein Mensch… das war damals normal, aber wenn heute jemand so was singt, dann ist das immer ein bisschen anrüchig. Ich finde, man muss es nur ganz gut machen!

P: Von einer der Schallplatten möchte ich ihnen noch was vorspielen, und zwar von Telemann haben Sie „Flavius, König der Longobarden“ gesungen. Daraus eine Arie:

Musikeinspielung LIETO SUONO DI TROMBE GUERRIERE (aus „Flavius Bertaridus, König der Longobarden“ v. G. Ph. Telemann)

 

K: Ich habe auch das ganz große Glück - das muss ich hier noch mal sagen - dass ich nicht von der Plattenfirma vermarktet werde. Dass da nicht eine Firma hinter mit steht, wie ein anderer Kollege von mir das leider hat, die sagt: Du musst jetzt die „Winterreise“ aufnehmen, du musst „Die schöne Müllerin“…, obwohl man noch gar nicht soweit ist, du musst das und das und das ...

Also, mein Foto steht dann eben nicht neben Salzburger Mozartkugeln im Schaufenster, das bleibt mir Gott sei Dank erspart, und das ist auch nicht mein Ehrgeiz. Also, ich kann mit der Plattenfirma absprechen, was ich machen möchte und was ich nicht machen möchte und das ist eigentlich sehr schön! - Es muss nicht so viel sein.

P: Sie haben eine Aufnahme gemacht, eine Platte ausschließlich mit Berliner Komponisten?

K: Das ist zum Berlin-Jubiläum entstanden.....

P: ...und das war interessant auch für Sie, ich meine, das sind zum Teil sehr unbekannte Komponisten und Nummern.

K: Ja. Und das hat mir großen Spaß gemacht! Das war schon 1985.

Ich finde es ja immer furchtbar, wenn man sich selbst hören muss...

P: Herr Kowalski, Oper wird ja von vielen als etwas Anachronistisches angesehen, als ein Museum, in das Leute gehen, die mit ihren Gegenwartsproblemen nicht fertig werden.
Wie ist das für Sie? Für Sie ist es das Selbstverständlichste der Welt, ein Musiktheater in der Form, wie Sie es erleben, mit tollen Regisseuren und mit einem Ensemble?

K: Ja. Auf einen Nenner gebracht, ja.

Ich finde, Oper wird immer weiterleben, man muss bloß wieder den Mut haben, große Gefühle zu zeigen, dass auch die Leute im Zuschauerraum mitweinen, lachen, mithoffen können und bereichert da rausgehen und nicht verärgert.

P: Wir haben vorher von Schlagern und Pop-Musik gesprochen. Es gibt da eine Film-Musik, oder wie war das?

K: Ich habe in Prag für die „Laterna Magika“ einen Film gedreht. Pallas Athene war ich da. Da sah ich ganz toll aus, ganz in Gold – nicht in Silber – und da hat mir jemand eine tolle Nummer komponiert.

P: Ein Requiem?

K: So ungefähr, ja. Das ist so eine Anklage der Pallas Athene und daraus hören wir mal ein Stück. Es ist in Altgriechisch – ich versteh´s auch nicht....

P: Haben Sie eigentlich je an das Medium Film gedacht? Hat man da Angebote an Sie gemacht?

K: Ja schon. Eine Rolle musste ich absagen, das war auch in Ungarn. Da ging´s um Kastraten und die wollten eigentlich nur meine Stimme haben, weil sie die eben so toll fanden und da hab ich gesagt: Nee, meine Stimme geb ich dafür nicht her und dann ... Nee! 

Und dann hat man mir, so mit Trick 17, eine kleine Rolle, ein oder zwei Drehtage reingeschrieben, aber das haben wir dann genau geprüft und dann ...

Muss nicht sein! Was kommt, kommt. Wenn´s nicht kommt, davon geht die Welt auch nicht unter.

P: Und Opernfilme interessieren Sie?

K: „Giustino“ gibt´s als Opernfilm auf Video, „Belsazar“ ist aufgenommen. –

Ja, interessiert mich schon. Aber ich finde, Oper gehört auf die Bühne und nicht in den Fernsehapparat. Oder bin ich jetzt falsch?  (Applaus)

Ich kann mich gar nicht so lange konzentrieren, ich geh dann doch mal raus an den Kühlschrank und hol mir was zu trinken, das kann man im Theater eben nicht. Man muss das erleben!

P: Aber für die Leute, die nicht in einer Großstadt leben...

K: ... ist das sicher eine Möglichkeit und es ist auch gut, dass es so was gibt. Es ist ein Anreiz, in die größere Stadt zu fahren und sich das anzusehen.

P: Sie singen ja eigentlich nur in Berlin, oder? Ich meine, in der DDR. In der DDR singen sie nicht an anderen Bühnen?

K: Nein.

P: Also, sie müssen nicht... sozusagen... jetzt wollen wir unseren Jochen Kowalski im ganzen Land herzeigen ...?

K: Nee. - Das ist ja meistens so im eigenen Land.

P: Aber sonst in den europäischen Opernhäusern?

K: Ja. Ich singe in Leipzig und Halle, da sind die Opernfestspiele.

Bis jetzt kam noch nichts...

P: Diese Musik von der wir vorhin gesprochen haben, dieses Requiem aus einem Film, der in Prag gedreht wurde

Musikeinspielung REQUIEM (aus „Odysseus“)

P: Ich habe mir sagen lassen, es gibt in der DDR auch Komponisten, die für Sie komponieren, Sie singen auch zeitgenössische Musik?

K: Ja.

P: Was ist das?

K: Liederzyklen,... Frau Professor Ruth Zechlin hat mir Shakespeare-Sonette vertont, Georg Katzer...

Ja, ich finde, ich bin ein Mensch der Jetzt-Zeit und soweit die Musik sangbar ist – vieles ist ja gar nicht mehr sangbar, was heute die Komponisten schreiben – singe ich es. Wenn´s mir Spaß macht, wenn der Text mich anspricht, die Musik, dann mach ich´s schon sehr gerne.

P: Wie sehen so die nächsten Pläne von Jochen Kowalski aus? In Wien wird es einen „Boccaccio“ geben in der Volksoper.

K: In Wien, ja.

Vorher gibt es noch ein Gastspiel der Komischen Oper mit „Giustino“ in Wiesbaden zu den Maifestspielen und dann fangen gleich darnach die Proben für „Sommernachtstraum“ von Britten in Frankfurt am Main an, mit Thomas Langhoff. Dort singe ich zum ersten Mal den Oberon - eine wunderschöne Partie!

Dann mach ma ein bißchen Pause ... Nee, da kommt noch Hohenems dazwischen, hätt´ ich beinahe vergessen. Mit Pause ist nichts...

Im Juli ist ein bißchen Pause und dann fährt die Komische Oper mit „Orpheus“ nach London zu Covent Garden. Da sind zwei Vorstellungen. Dann geht´s im September nach Leipzig, da ist das Internationale Bachfest. Da sing ich die Matthäuspassion – endlich wieder!

Dann sind Schallplattenaufnahmen, Gastspiele in Düsseldorf mit „Julius Cäsar“. Das wird wieder aufgenommen und in Wien wird „Giustino“ im Dezember wieder aufgenommen und dann fangen die Proben schon wieder an, für „Boccaccio“.

Und ich habe von Herrn Harnoncourt eine Einladung bekommen – hat mir meine Managerin vor ein paar Tagen erzählt – der möchte im Musikvereinssaal „Theodora“ von Händel aufführen und mich einladen, den Dydimus zu singen. Ich glaube, am 6. März. Da freu ich mich drauf!

P: Und „Boccaccio“? Freuen Sie sich da drauf ?

K: Jaaa! Klar!

P: Das ist was Neues und eine interessante Rolle.

K: Eine interessante Rolle. Die große Maria Jeritza hat´ s auch gesungen! Ich meine ...

P: Mit welchem Regisseur  werden Sie das machen in Wien?

K: Er kommt aus der BRD, aus Bremen...

P: Torsten Fischer.

K: Torsten Fischer, ja. Und der soll sehr gut sein.

P: Der ist hervorragend! Er hat am Volkstheater eine herrliche „Jungfrau von Orleans“ gemacht.

K: Ja?

Das ist umso besser. Wenn das ein guter Regisseur ist, das ist prima! Und da werde ich dann den Boccaccio kreieren. Nur für fünf Vorstellungen, erst mal.

P: Der „Orpheus“ wird eventuell auch nach Wien übernommen.

K: Ich hoffe... 

P: Wir würden ihn gerne im Repertoire haben!

K: Das weiß ich nicht... Ja, wär´ schön!

P: Jochen Kowalski, vielen Dank dafür, dass Sie zu uns gekommen sind und so viel erzählt haben.

K: Ich bedanke mich.

 P: Wir enden vielleicht mit dem Orlofsky aus der „Fledermaus“ aus der Volksoper.
 

 (Applaus)
 

K: Danke schön!

Musikeinspielung ICH LADE GERN MIR GÄSTE EIN (Aus „Die Fledermaus“ von J. Strauß)

 
 
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