Jochen kowalski


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Giustino

Georg Friedrich Händel (1685 - 1759)

 

Premiere: 4.12.1984
Komische Oper Berlin

Inszenierung: Harry Kupfer
Musikalische Leitung: Hartmut Haenchen

 

 
Pressestimmen:
 
Gerhard R. Koch, Frankfurter Allgemeine Zeitung:
"Gerade dann, wenn man sagen muss, dass es in dieser Aufführung keine einzige tote Stelle gab, Musik und Aktion stets spannungsreich virtuos zusammengehörten, kommt man nicht umhin, Jochen Kowalski, einen exzellenten, koloraturgelenkigen, doch auch expressiv singenden Kontratenor, auch als Sänger des Giustino zu bewundern. Dagmar Schellenbergers Arianna, Michael Rabsilbers Anastasio und Günter Neumanns Vitaliano waren nicht minder präsente Solisten."
 
Eckhart Schwinger, Dezember 1984:
"Ungewöhnliches leistet sängerisch bei diesem zweiten Händel der Komischen Oper insbesondere der mit üppigem Beifall und Bravorufen bedachte Jochen Kowalski in der Countertenorpartie des Giustino. Er spielt nicht nur den abenteuerhungrigen, gutmütigen und tapferen Naturburschen sehr erquicklich, er singt ihn auch so herzerfrischend mit vibrierend feiner Stimmfarbe und erstaunlicher Ausdrucksvariabilität. Technik, erlesenes Timbre, intensive Emotionalität und darstellerische Qualitäten greifen nahtlos ineinander."
 
Dieter Kranz, Theater der Zeit, 02/1985:
"Ein Glücksfall für die Aufführung ist die Besetzung der Titelrolle mit dem jungen Countertenor Jochen Kowalski. Er singt die schwierige Altpartie mit angenehmem Timbre, beachtlichem Volumen und präzis in den zum Teil selbst erfundenen Auszierungen. Und dazu spielt er mit Charme und sportlicher Verve, reitet auf dem Ochsen, tötet den Drachen, singt während der unmöglichsten Aktionen - erstaunlich und bewunderungswürdig. Kein Wunder, dass er am Ende mit Bravorufen überschüttet wurde."
 
Hugh Canning, Opera 1985:
"Largely thanks to the captivating bullocks  and the extraordinary performance of Jochen Kowalski in one of Handel's most soft-grained, gentle, heroic castrato roles, written for the fine Dresden-based alto, Domenico Annibali. Kowalski is a true male alto - the story goes that he was a tenor the Komische Oper could do nothing with! - with a voice of such sensuous beauty that a blind listener would think we were hearing a voluptuous mezzo. Inevitably his repertory is restricted at the Komische Oper (he sings Feodor in Kupfer's Boris), but he is a performer of such star quality, instinctive stage presence and physical gifts, that it cannot be long before he becomes  a regular guest in the West. He also had a sure feeling for Handel's style"
 
Gerhard Persché, Opernwelt 1986:
"In beiden Dimensionen - jener der prallen Komödiantik, wie auch der einer stilsicheren gesanglichen Interpretation - ist der Countertenor Jochen Kowalski zu Hause, schon in Berlin Protagonist und Star der Aufführung."
Christopher Norton-Welsh, Opera 1986:
"The best singing and presentation both came from the superb Giustino of the Berlin cast, Jochen Kowalski. I have nothing but praise for this marvellous artist who achieved the greatest applause of the evening from the Viennese, many of whom are still normally reduced to sniggers by the male altos."
Frederik Hansen, Tagesspiegel, 18.4.1995:
"Giustino hat Berliner Theatergeschichte geschrieben mit seiner fein ausbalancierten Mischung aus witzigem Spieltrieb, packend erzählter Story und hintersinnig eingefädelter Systemkritik ...
Die Art und Weise, wie Kupfer und seine Ausstatter Valerie Lewental (Bühne) und Reinhard Heinrich (Kostüme) es 1984 verstanden hatten, die barocke Konzeption der Oper als atemberaubendes Spektakel für Augen und Ohren aufzugreifen und trotzdem der absurden Handlung durch die Mittel des Regietheaters eine unmittelbare Stringenz und Aktualität zu verleihen, garantieren, dass die Produktion trotz politischer Wende und längst vom Zeitgeschmack überholter Bühnenästhetik noch immer als repräsentativ für das künstlerische Profil der Komischen Oper stehen kann.
Als draufgängerischer Bauer Giustino feierte Jochen Kowalski seinen ersten großen Triumph als Countertenor. Und natürlich ist er auch in der Wiederaufnahme nicht nur aus dramaturgischen Gründen der Sympathieträger Nummer eins. Tatsächlich ist die Story vom netten Jungen von nebenan, der mit naiver Nonchalance in der großen Welt Karriere macht, in mancher Hinsicht auch die Geschichte seines eigenen Aufstiegs: Wenn Kowalski mit ungehemmter Lust am Spiel über die Bühne tollt, wenn er mit der Selbstverständlichkeit eines Akrobaten seine Koloraturen abschnurren lässt, wenn er am Ende strahlend Bravos und Applaus entgegennimmt, scheint es, als hätten ihn seine jüngsten Ausflüge bis an die New Yorker "Met" ebensowenig verändert wie seinen bis zuletzt vollkommen unprätentiösen Opern-Doppelgänger Giustino."

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