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Orfeo ed Euridice Georg Friedrich Händel (1685 - 1759) |
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Premiere:
19.12.1987 Premiere: 10.7.1991 Inszenierung: Harry Kupfer |
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Pressestimmen: |
| Eckart Schwinger, Dezember 1987: |
| "In Wien wurde der Orpheus von einem Altkastraten kreiert, und da die Komische Oper in Jochen Kowalski über einen ungewöhnlich befähigten, immer mehr begehrten Countertenor, also über einen Altisten, verfügt, vermag sie die heute spezifischste und wohl sicherlich auch international bestmögliche Besetzung aufzubieten und damit der Aufführung den Anreiz schlechthin zu geben. Kowalski weiß im modernen Habitus, mit Lederjacke und Gitarre, der Liebe des legendären Sängers, der seine Geliebte so sehr liebt, dass er ihr ins Totenreich folgt und schließlich vom zynisch-herrischen Göttergebot des Nicht-Anschauens aufgerieben wird, mit ergreifender Leidenschaft Gestalt zu geben. Immer klingt der vom Tod erzählende Mythos in drängender Bedrohlichkeit an, wird die moralische Kraftprobe, in die Orpheus hineingezwungen wird, die Seelenqual, die Versuchung, die Zerstörung äußerst abgestuft und packend, sanft und aufbegehrend verdeutlicht. Wobei die spannungsreiche sing-schauspielerische Durchformung ohne jede Einbuße an innerer Energie vonstatten geht! Es wird nicht so schnell zu vergessen sein, wie dieser neue, alte Orpheus sich gegen das erbarmungslose Schicksal stemmt und am Ende wie ein Häuflein menschlichen Elends dahinstirbt. Und natürlich auch, wie dabei dieser Countertenor wandlungs- und ausdrucksfähig, kantabel leuchtend und stilvoll geschliffen zum Tragen kommt mit seinen eigentümlichen, geheimnisvoll feinen Schattierungen und Schwebungen. Das beeindruckte und wurde mit starkem Applaus bedacht." |
| Dieter Kranz, Dezember 1987: |
| "Die Dimensionen eines große antiken Dramas erreicht die Aufführung aber nicht nur durch ihre perfekt gemeisterte, überredende Bildersprache, sondern vor allem auch durch die unglaublich intensive gesangliche und darstellerische Leistung des im Mittelpunkt stehenden Jochen Kowalski als Orpheus wie auch seiner Partner Dagmar Schellenberger-Ernst als Eurydike und Christiane Oertel als Amor. Welch ein Glücksfall ist diese Besetzung?! Kowalski bringt in der ursprünglich für einen Kastraten geschriebenen Partie die ganze Schönheit seines inzwischen im Volumen gewachsenen Countertenors zur Geltung, macht die Verzweiflung dessen, der das Wichtigste im Leben verlor, ebenso deutlich wie die Vermessenheit, die darin liegt, die Gesetze der Natur nicht anerkennen zu wollen. Den aus dem Orchestergraben singenden Chor hatte Gerhard Wüstner klangschön und ausdrucksstark einstudiert." |
| Wolfgang Pötzsch, Dezember 1987: |
| "Was aber erst leistet Jochen Kowalski als Orpheus! Phänomenal meistert sein technisch brillant geführter Countertenor die originale Stimmlage der Partitur, strömt der weiche Schmelz und betörende Glanz seines kostbar-seltenen Organs makellos dahin. Das ist nicht nur Belcanto in Vollendung, lyrisch und wahrhaft ergreifend, sondern immer wieder aus dramatischem, psychologisch begründetem Spiel erwachsen. Ungeheure Agilität weiß er ins Feld zu führen, Seelenzustände atembeklemmend zu steigern. Da ist seine Stimme kaum für möglich gehaltener Ausbrüche fähig, die von einer kontrollierten glutvollen Tiefe gestützt sind, blühen die Arien zu verzierungsreicher Schönheit auf." |
| Annemarie Görne, Dezember 1987: |
| "Vom Auftakt an ist man in den Bann der Musik gezogen. So vital, ohne Weitschweifigkeit und Pathos ist sie dargeboten, dass sich für den aufnahmebereiten Zuschauer kein Widerspruch von Ton- und Bildwelt auftun sollte. In der Rolle des Orpheus steht ein junger Mann auf der Bühne, der Countertenor Jochen Kowalski. In einem "Wochenpost"-Gespräch hatte er von dieser Aufgabe als der "Rolle aller Rollen" geschwärmt. Sie ist es geworden - in seinem Gesang, in seinem Spiel. Voller Empfindung, intensiv und sensibel, macht er Liebe und Schmerz ergreifend deutlich: Wie dieser junge, alleingelassene Mensch sich gegen sein Schicksal stemmt bis zum Irrsinn, wie er dem Totenreich die Frau entreißen will, wie er am Ende hoffnungslos stirbt - das wird von dem Sänger-Darsteller überzeugend übermittelt. Nach dieser Aufführung mit dem spielbegabten, stimmgereiften, feinfühligen Jochen Kowalski ist eine überzeugendere Besetzung schwer denkbar." |
| Ulrike Gross, "Die Wahrheit", Dezember 1987: |
| "Der Premierenabend mit Glucks "Orpheus und Eurydike" am Sonnabend in der Komischen Oper gehörte Countertenor Jochen Kowalski. Der junge Sänger interpretierte auf grandiose Weise die Partie des Orpheus, die ursprünglich für einen Alt-Kastraten geschrieben war. Trotz höchster Anforderungen auch an die szenische Darstellung seiner Rolle bewältigte er seine Partie gesanglich bis zum Schluss makellos." |
| Ernst Krause, Dezember 1987: |
| "Der Orpheus musste früher
oder später auf Kowalski zukommen. Welch eine Aufgabe! Sprechen wir noch
ein wenig von dieser Leistung, die dem "Orfeo" einen ganz eigenen Reiz
verleiht. Eigentlich ist Kowalski ein männlicher Alt, ein Altus. Das aber
ist eine glückliche, dem Original entsprechende Tonlage, die den
ursprünglichen Tonartenplan Glucks nicht durcheinanderbringt. Kowalskis lyrisch noblem Gesang zuzuhören bereitet Genuss. Er prunkt nicht mit Fülle und Kraft; er verleiht seiner Lyrik eine Aura reiner Schönheit und Empfindung. Ausstrahlung wird aus der Gewalt des Leisen gewonnen, einzelne dramatischere Momente werden quasi nach innen verlegt." |
| Dr. Matthias Frede, Dezember 1987: |
| "Kowalski ist für die erheblichen gesanglichen und körperlichen Anforderungen seiner artistischen Rolle blendend disponiert - menschlich-emotional glaubwürdig, den modernen Orpheus-Habitus gestisch und mimisch subtil auslotend, seine schöne, breiter und kräftiger gewordene Altlage höchst kultiviert einsetzend. Daneben vermögen aber auch Dagmar Schellenberger (Eurydike) und Christiane Oertel (Amor, nicht direkt in das Spiel eingreifend) mit makelloser stimmlicher Noblesse zu überzeugen. In dieser Hinsicht wohl eine der bislang besten Aufführungen in der Behrenstraße. Ihr ungewöhnlicher und bestreitbarer Gluck-Zugriff ist ein geistreiches Diskussionsangebot: lebendiges, aufregendes Musiktheater, sinnlich und intelligent, zur Auseinandersetzung (ver)führend." |
| Berliner Rundfunk: |
| "Besonders Kowalski bringt in dieser ursprünglich für einen Alt-Kastraten geschriebenen Partie die ganze Schönheit seines inzwischen im Volumen gewachsenen Countertenors zur Geltung. Und er macht dabei die Verzweiflung dessen, der das Wichtigste im Leben verlor, ebenso deutlich wie die Vermessenheit, die darin liegt, die ehernen Gesetze der Natur nicht anerkennen zu wollen. Momente wie jenen in der Elysiumsszene, da er auf dem angekippten Stuhl sitzend plötzlich zu fliegen scheint "Welch reine Luft, welch klarer Schein, welch heitres Leuchten umgibt mich..." wird man nicht vergessen, oder wie jenen, da er die um Verständnis bittende, Liebe erflehende Eurydike im Rücken und ihr Bild auf dem Fernsehmonitor im Arm hat, so dass er sie an sich drücken kann und in Wirklichkeit doch gar nichts besitzt außer einem matten Abglanz. Doch die größte Leistung Kowalskis besteht für mich darin, dass es ihm gelang, in der berühmten Orpheus-Arie "Ach ich habe sie verloren" keinen Szenenapplaus zu erhalten. Denn seine Darbietung war nicht nur gesanglich virtuos, sondern auch menschlich so bewegend, das es einem mitfühlenden Publikum einfach unmöglich war, das Drama durch Beifall zu unterbrechen." |
| Rodney Milnes, Opera, Oktober 1989: |
| "The two performances of
Orfeo were the hottest tickets in town, maybe because of a real star in
the person of Jochen Kowalski - a homegrown star to be sure, but a star
nonetheless. One wished, ungratefully, that the company had also been able
to bring Handel's Giustino, in which Kowalski sings ... But hearing Kowalski in a leading role was enough to be going on with. ... Kowalski takes the story a stage further. There is no trace of the falsettist's hoot in his tone, which is of extraordinary beauty and purity and comes complete with the sweetest of vibratos - a rare commodity in this register. His voice has a slightly otherworldly timbre, which complements if not reproduces the unearthly quality one imagines 18th-century castratos to have had, or has heared on records of Moreschi. The irrelevance of allowances means that one can marvel freely at the musical suppleness of Kowalski's phrasing and his wonderful technique - a real trill in addition to easy agility in decorated passages. He is a great singer tout court, and his Orpheus on August 11 was a feast of vocal pleasure. He is also an expressive actor (his quirky yet dangerous Ptolemy in Nichlas Hytner's production of Giulio Cesare in Paris was a gem), and Kupfer took advantage of this in his characteristically demanding staging of Gluck's opera." |
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