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Tancredi Gioacchino Rossini (1792 - 1868) |
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Premiere: 25.9.1994 Inszenierung: Fred Berndt |
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Pressestimmen: |
| Der Tagesspiegel, 27.09.1994: |
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"Eine Opera seria ist eine Geduldsprobe. Und doch gibt es in dem neuen
Tancredi an der Lindenoper Musiknummern , die gar nicht lange genug dauern
können, weil sie so innig, so einig im Herzschlag gesungen werden, wie das
Duett des Liebespaares im ersten Akt, das Schmerzen in Koloraturen und
Parallelität bannt: der Abend gehört zuallererst Jochen Kowalski und Lynne
Dawson. ... Im übrigen ist der Berliner Star Jochen Kowalski der Retter der Tragödienfassung im musikalischen Glitzerkleid, weil er mit seinem zauberisch-gewandten Altgesang so viel Persönlichkeit einbringt, dass in der Seria ein Schicksal Interesse weckt. Kowalski als homme vertueux ist die Identifikationsfigur der Aufführung." |
| Berliner Morgenpost, 29.09.1994: |
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"Tancredi liegt in zwei Fassungen vor: einer mit tragischem Ausgang,
die andere mit Happy-End. Beide Versionen kommen nacheinander zur
Aufführung, und die mit dem glücklichen Ende wird von einer
Mezzosopranistin gesungen werden, ganz wie es Rossini vorgab. Freilich hatten sich schon früher Männer der Rolle, die eigentlich gar nicht für sie gedacht war, bemächtigt. In Dresden sang der Kastrat Filippo Sassaroli, den Wagner wie Carl Maria von Weber bewunderten, die Titelpartie, und damit war gewissermaßen der Weg geebnet für das Phänomen Kowalski, den einzig-artigen männlichen Alt. Er singt die Rolle mit Geschmack, stilsicher, leidenschaftlich, hingebungsvoll. Er steht auf dem rechten Platz, so knifflig ihn Fred Berndt, Regisseur und Ausstatter, auch immer wieder placiert. ... Ihre (Lynne Dawsons) lang ausgesponnene Duette mit Kowalski lösen denn auch prompt den Jubel. Sie sind ein Triumph einverständigen Singens - und dies bei aller Gegensätzlichkeit der Stimmcharaktere. Dem vibratolos kühlen, zeichnerischen Sopran der prachtvollen Lynne Dawson, diesem vokalen Kondensstreifen in blauer Opernluft, antwortet Kowalskis auf Ausdruck versessener, temperamentvoll geführter Alt, der selbst dort dramatischen Kontakt schließen will, wo die distanzierte Engländerin, auf alte Musik trainiert, ihn stilistisch eher verwehrt. Dieses Einander-Bestürmen, wie dieses Vor-Einander-Zurückweichen der Stimmen gibt den Duetten ihren einzigartigen Glanz. Sie gehören zweifellos zu den Höhepunkten im Opernleben der Stadt." |
| Die Welt, 27.09.1994: |
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"... Die Herren Kastraten hatten die Partie (Tancredi) usurpiert, an der
Spitze Filippo Sassaroli in Dresden. Kein Wunder, dass daraufhin ein
Sänger mit Altstimme, wie der einzigartige Jochen Kowalski, die Partie für
sich reklamierte und sie in Berlin nun aufs Herrlichste sang: tatsächlich
der feurige Jüngling, der Voltaire vorgeschwebt hatte, als er seine
Tragödie, Vorlage der Oper Rossinis, schrieb. ... Höhepunkte des Abends sind seine (Kowalskis) beiden Duette mit der Heldin des Abends, Lynne Dawson, der englischen Sopranistin, die mit weißer, vibratoloser, an alter Musik geschulter Stimme hinreißend kühl Amenaide, das Opferlamm, singt. Wie sich in diesen ausladenden Duetten die beiden gegensätzlichen Stimmen verschränken, verschlingen, Kowalskis empfindsamer, den Seelenkontakt suchender Alt und der auf Distanz bedachte, linienschön leuchtende Sopran, das erlebt man in vergleichbarer Vollkommenheit nicht alle Tage - und das Publikum sprang denn auch in diesem Augenblick der Leidenschaft an." |
| Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.9.1994: |
| "... Die Zofe Isaura (Mette Ejsing), der Knappe Roggiero (Katharina Kammerloher), der Zwangsbräutigam Orbazzano (Manfred Hemm) sind gleichermaßen jung, funkelnd, berückend; ... Ihnen allen, mit Ausnahme der kongenialen Lynn Dawson fehlt nur eines: die überlegene Schauspielkunst, die Jochen Kowalski von der Komischen Oper mitbringt. Er ist der Held des Abends. Man versteht Amenaides Verzweiflung und warum Lynne Dawson sie so plausibel geben kann." |
| B.Z., 27.09.1994: |
| "Ohne die schwerelosen, alles überstrahlenden, geradezu überirdischen Stimmen von Lynne Dawson und Jochen Kowalski wäre die Inszenierung ein Reinfall. Doch unterstützt von Dirigent Fabio Luisi können die englische Sopranistin und der von der Komischen Oper ausgeliehene Altist funkelnde Belcanto-Perlen ausstreuen. Auch Robert Gambill als Argirio und Manfred Hemm als arroganter Orbazzano verknüpfen ihre hinreißenden Gesangspartien zu einem fliegenden Teppich, auf dem die Rossini-Melodien gen Himmel schweben." |
| Berliner Kurier, 27.09.1994: |
| "In den Hauptparts sehen wir einen göttlichen Jochen Kowalski (Tancredi) und die englische Spitzen-Sopranistin Lynne Dawson (Amenaide): Gehen Sie hin, schauen Sie hin, staunen Sie - und hören Sie zwei Künstler im Zenit ihres Könnens." |
| Neues Deutschland, 28.09.1994: |
| "Für die erste Aufführung des Tancredi hat die Lindenoper eine Sensation besonderer Art zu bieten: Tancredi ist zum ersten Male in der Geschichte dieses Werkes keine Hosenrolle, sondern er wird von einem Altus, von Jochen Kowalski, gesungen. Der verkörpert die Partie im wahrsten Sinne des Wortes, in leidenschaftlicher Aktion und in perfektem Gesang. Virtuos in Triller und Koloratur, in Attacke und Portamento. Agil und genau in allen Phrasen dieser höchst anspruchsvollen Partie. Die Stimme klingt voll und rund, energisch, ausdrucksreich. Kowalskis Tancredi-Debüt wurde zum künstlerischen Ereignis. Ein Glücksfall, dass Lynne Dawson als Amenaide mit virtuosem, dynamisch höchst differenziertem und schönem Belcanto eine absolut ebenbürtige Partnerin war. Schon die beiden allein rechtfertigen die Inszenierung." |
| Opernglas 1994: |
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"Für Jochen Kowalski in der Titelpartie hat sich der mutige Schritt
ausgezahlt, erstmals als männlicher Altus gegen alle großen
Mezzo-Vorbilder diese Rolle zu übernehmen. Als Meister der in dieser Oper
verschwenderisch verwendeten Kantilene und als einziger wirklich aktiver
Darsteller zog er in jedem Augenblick das Publikum in seinen Bann. Mit
seiner üppig klingenden und warm timbrierten Stimme wusste er mit Eleganz
exemplarisch die große Linie zu stilisieren und auch zugleich mit Verve
das Bravoureuse zu betonen. ... Sie (Lynne Dawson) und Jochen Kowalski rissen das Haus zu berechtigten Beifallsstürmen hin; zugleich legitimierten damit die beiden Künstler das ganz auf die musikalischen Abläufe gerichtete Unterfangen." |
| Opernwelt, November 1994: |
| "Übertroffen wird sie (Lynne Dawson) von Jochen Kowalski. Der wagt das heikle Experiment, die Hosenrolle des Tancredi, die auch noch von Kastraten gesungen wurde, für sich als männlichen Altus zu reklamieren. Und er gewinnt. Nicht nur, weil er als Mann anders spielen kann, sehr zurückgenommen und doch lebensvoll diesen an sich eindimensionalen Charakter verkörpert, sondern auch, weil besonders die Duette mit Amenaide, kostbarste Momente der frühromantischen Oper, durch die andere Stimmfärbung eine neue Intensität und Erotik bekommen. In der großen Schlussarie vor sich orange verdüsterndem Hintergrund, Pfeile in der Brust wie der Heilige Sebastian, nur noch Melismen von sich gebend, gestützt von einem ersterbenden Streichertremolo - da findet die so stilisierte, weltentrückte Gesangoper aufregende Momente der Wahrhaftigkeit und Realistik." |
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