Jochen kowalski


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Eine Sehnsucht, ganz egal wonach!

Ein musikalisches Ereignis

Deutsches Theater Berlin
Premiere: 21.11.1994

Katrin Klein
Dagmar Manzel
Jochen Kowalski
Daniel Morgenroth


PROGRAMM:

 

Wo ist der Mann? (Peter Kreudner, 1933)
Peter (Rudolf Nelson, 1929)
O Anabella (Rudolf Nelson, 1933)
Auch du wirst mich einmal betrügen (Robert Stolz, 1930)
Irgendwo auf der Welt (Werner R. Heymann, 1932)
Wenn ich mir was wünschen dürfte (Friedrich Hollaender, 1931)
Eine kleine Sehnsucht (Friedrich Hollaender, 1930)
Die Nacht war schwül (Sigmund Romberg und Alfred Goodman, 1924)
Barcarole (Jacques Offenbach, 1880)
Ein Stern fällt vom Himmel (Hans May, 1934)
Das Nachtgespenst (Rudolf Nelson, 1930)
Schlaf' ein, mein Blond-Engelein! (Perez Freire, 1926)
Die Minderwertigen (Friedrich Bermann, vor 1933)
Oh Mond! (Friedrich Hollaender, vor 1933)
Lied der Kupplerin (Kurt Tucholsky, Vertonung von Christoph Schambach)
Schöner Gigolo, armer Gigolo (Leonello Casucci, 1929)
Komm, lass' uns einen kleinen Rumba tanzen (Theo Mackeben, vor 1933)
Ich mache alles mit den Beinen (Friedrich Hollaender, 1930)
Ich bin die Marie von der Haller-Revue (Charles Amberg, 1928)
Kinder, spielt mir doch eine weiche Tangoplatte (Friedrich Hollaender, 1928)
Guck' doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin (Friedrich Hollaender, 1930)
Stehgeigers Leiden (Erich Kästner, Vertonung Uwe Hilprecht)
Die hysterische Ziege (Friedrich Hollaender, vor 1933)
Die Dame von der alten Schule (Rudolf Nelson, 1933)
Heut' nacht hab' ich geträumt von dir (Emmerich Kálmán, 1924)
Couplet des Redakteurs Schmock aus: "Die Journalisten" (Theo Mackeben, 1932)
Wer sich die Welt mit einem Donnerschlag erobern will (F. Heigl, 1935)


Pressestimmen:
 
Lorenz Tomerius, Berliner Morgenpost, 23.11.1994:
"Eine Sehnsucht, ganz egal wonach!' - der Titel für das 'Musikalische Ereignis' der ganz besonderen Art im Deutschen Theater wird vom begeistert amüsierten Publikum schon nach wenigen Minuten widerlegt. Seine Sehnsucht geht, auch nach 75 Minuten virtuos komischen Vergnügens nur nach 'Mehr', erzwingt mit Geklatsche Zugabe um Zugabe. 'Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide', wird's künftig heißen, wenn man dafür nur schwer Karten ergattern kann.
Ein höchst ungleiches Kleeblatt hat sich da zum großen Vergnügen des Publikums zusammengefunden. Der Altus-Virtuose Jochen Kowalski von der Komischen Oper und die Schauspieler Dagmar Manzel, Katrin Klein und Daniel Morgenroth. Sie servieren Lieder, Chansons, Couplets aus den letzten Jahren der Weimarer Republik, als Berlin noch vor Witz und Kreativität übermütig aus den Nähten platzte ...
Sie stürzen sich mit Neugier darauf, entdecken alles Neue, als sei es gestern für sie geschrieben. Und zeigen, was sie alles können, was aber noch nie ein Regisseur sie zu fragen wagte. Sie stehlen sich frech weg aus den Klischees, auf die sie schon ein bißchen festgelegt sind, bringen Kitsch und Klamotte, Knüller und Kabarett, Können und Komik, als täten sie nie etwas anderes. Und sie singen unter der Leitung von Johanna Schall, die für genaue Durchzeichnung der Nummern sorgt und immer noch den kleinen ironischen Kick draufsetzt, mit wendigem Witz und augenzwinkernd windigem Charme zusammen, schaukeln sich hoch - und nehmen das Publikum mit auf die Wippe. In den gestirnten Himmel über den Dächern von Berlin (Ausstattung: Stephan Fernau), hoch in die Träume der Gefühlsduselei und des kläglich komischen Wünschens und fallen immer wieder in die Niederungen des Alltags mit tragikomischen, saukomischen Krisen.
Jochen Kowalski drapiert sich die Schmachtfetzen von Offenbachs Barcarole um, singt vom schönen armen Gigolo, unterlegt die Virtuosität mit der dreisten Parodie des entschiedenen Ernsts, seufzt nach einer weichen Tangoplatte, hat Sehnsucht nach Annabell, den Sternen am Himmel und dem Schlaf vom Blond-Engelein. Dagmar Manzel nimmt lustvoll Urlaub von der intellektuellen Heroine, wird mannstoll, grapschig, verlässt die Zwänge der Dame der alten Schule, wird Schlampe und Puffmutter, die dabei noch Lehmanns Strümpfe stopft, wird geistig minderbemittelt und komisch übergegabt, explodiert im Rumba-Fieber, herrlich!
Katrin Klein schmeißt sich auf die Marlene-Songs vom Freund Peter, und 'wenn sie sich was wünschen dürfte, wäre sie wohl am liebsten doch die hysterischste Zicke von ganz Berlin'. Ist sie derzeit unbestritten, wenn sie nicht gerade die 'Marie von der Haller Revue' ist oder das Nachtgespenst, oder den Mond anjault. Sie ist überkandidelt und meschugge in Tüllkleid und Stiefeletten, auf Marlene-Nähe überhaupt nicht scharf und immer allerbestens eigenständig sie selbst, pointiert und exaltiert wundervoll.
Nicht minder Daniel Morgenroth mit schusseligem Charme, pomadigem Haar, im Cutaway, ein junger Stewart Granger, den es an die Spree verschlagen hat, der verklemmt schüchtern 'alles mit den Beinen macht', der als Journalist verzweifelt leidet, weil er merkt, 'dass er alles links, aber auch rechts' schreiben kann.
Von Uwe Hilprecht und Christoph Schambach als Caféhaus-Pianisten und Stehgeiger bestens geleitet, entwickeln sie eine Leichtigkeit, eine Frechheit, eine Fröhlichkeit, dass sich der Spaß, den sie auch aneinander, miteinander haben, als Vergnügen sofort ins Publikum überträgt und nicht eine Minute nachlässt. Die Beifallsstürme und Gelächtersalven sind der Dank für dieses Show-Gelichter."
H. Kroekel, Berliner Kurier, 23.11.1994:
"Süchtig nach singenden Schauspielern der Extraklasse und einem schauspielernden Sänger von Weltformat wird man spätestens nach dem Abend 'Eine Sehnsucht, ganz egal wonach' im Deutschen Theater. Schlager und Operettenmelodien von 1924 bis 1933 erleben unter Sternenhimmel und Mond eine Renaissance.
Die sündenhungrige Dagmar Manzel schmachtet: 'Wo ist der Mann?' Der geschniegelte Daniel Morgenroth weiß die Antwort: 'Auch du wirst mich einmal betrügen.' Katrin Klein als zickige Schnoddergöre stellt sich kühn vor: 'Ich bin die Marie von der Haller-Revue.' Und bei Jochen Kowalskis Countertenor-Gesang schmilzt nicht nur die angebetet 'Anabella' hin. Erster frenetischer Zwischenapplaus dann bei Offenbachs Barcarole im Quartett. ...
Beim 20minütigen Schlussapplaus inklusive Trampeln und Zugaben seufzte eine verzückte Dame unentwegt: 'Das ist ja unglaublich.' Ja, es ist der Theaterhimmel auf Erden!"
Martina Hafner, B.Z., 23.11.1994:
"Vorsorglich lag ein Taschentuch im Programmheft. Denn im Deutschen Theater blieb beim Liederabend 'Eine Sehnsucht, ganz egal wonach!' kein Auge trocken. Opernstar Jochen Kowalski, Dagmar Manzel, Katrin Klein und Daniel Morgenroth sangen herzzerreißende Schlager (musikalische Leitung: Uwe Hilprecht) aus den 20er und 30er Jahren. ...
Mit ironisierendem Pathos und dennoch sehr liebevoll dargeboten wirken die Schlager nicht kitschig, sondern erwecken große Sehnsucht nach den glanzvollen Tanzpalästen und Revuen des alten Berlin. Das jubelnde Publikum forderte fünf Zugaben."
Peter Hans Göpfert, 23.11.1994:
"Zum Programmzettel gibt es gratis ein Papiertaschentuch mit dem Signet des Deutschen Theaters. Vielleicht für die Lachtränen, die an diesem Abend reichlich in der Schumannstraße fließen. Auf jeden Fall kann man das eingeprägte 'Tempo' als Devise nehmen. Verschnupft wird niemand. Dafür ist das Publikum schon reineweg auf Erfolg gestimmt. Hat man ja auch nicht alle Tage, dass singende Schauspieler des Hauses mit einem berühmten Counterpart von der Oper so vergnügt unter einer Decke stecken... ...
Ganz außerordentliche komödiantische Energien werden freigesetzt. Dagmar Manzel, eben noch die libidinöse, in Tradition gefangene Dame, versetzt alsbald ihren Astralleib in phänomenale Rumba-Umlaufbahn. Daniel Morgenroth ist einmal der phlegmatische Pomaden-Jüngling, der zu Beginn schon in Boxershorts und Sockenhalter weiß, wo es langgeht ("Auch Du wirst mich einmal betrügen"), dann aber doch zwischen ja und nein doch nur ein zögerliches 'vielleicht' zustandebringt.
Jochen Kowalski ist der Seidenschal am Hals der schauspielernden Sangeslust. Er bringt schon stimmlich Odeur und Appeal der damaligen Schlagerzeit. Es macht ihm sichtlich hörbar Lust, die Üs in den Küssen stieben zu lassen. Da wird kein 'Blond-Engelein' die Augen schließen, wo dieser Jochen mit spöttischer Wimper auf Offenbachs 'Barkarole' in die 'schöne Nacht' segelt oder dem 'Roten Mohn' der Rosita Serrano überschwenglich in die Blüte fährt. Wie die Vier samt ihren musikalischen Antreibern ironisch in die Vollen langen, macht Laune.
Die famose Huldigung des Deutschen Theaters an Marlene Dietrich hat die Sucht des Publikums nach derlei Lustbarkeiten ausgelöst. Man merkt: Die Droge schmeckt."

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